Kolumbien führt Militärschlag in Ecuador aus

4. März 2008 in Ausland

In Südamerika kam es am Sonntag zum Beginn einer diplomatischen Krise. Das kolumbianische Militär führte einen Militärschlag gegen ein Lager der “Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens” (FARC) durch, bei dem der Sprecher der FARC, Raul Reyes, und 16 weitere Rebellen getötet wurden. Die kolumbianische Luftwaffe hatte von kolumbianischen Luftraum aus das Lager der FARC bombardiert und kurz darauf Bodentruppen mit Hubschraubern abgesetzt um nach eigenen Angaben die Leichen zu bergen. Andere Quellen sprechen von einem Massaker und geben an, daß Reyes von den Bombenangriffen nur verletzt wurde und anschließend von den Bodentruppen aufgegriffen und ingerichtet wurde. Die Regierung Ecuadors hat inzwischen den kolumbianischen Botschafter des Landes verwiesen und ihren eigenen Botschafter in Kolumbien abgezogen. Ecuador und Venezuela versetzten nebenher ihre Armeen in Bereitschaft und stationierten Truppen an der kolumbianischen Grenze.

Der venezuelanische Präsident Hugo Chavez erklärte indes, daß man es nicht zulassen werde, daß “Kolumbien zu einem Israel Lateinamerikas gemacht wird” und spielte dabei auf die enge Zusammenarbeit zwischen dem kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe mit den USA an. “Auf die gleiche blutige Weise wie in diesen Tagen Gaza bombardiert wird, hat Uribe gestern das ecuadorianische Staatsgebiet angreifen lassen.” fuhr Chavez fort und ergänzte, daß es sich bei dem Angriff um einen Schlag gegen den Frieden gehandelt habe, da die Ermordung des Sprecher der FARC eine diplomatische Lösung erschwere.

Kolumbien verteidigte sich indes damit, daß man auf dem Computer von Reyes Informationen gefunden haben will, die Kontakte der FARC mit der Regierung in Ecuador belegten. Ecuador wies die Vorwürfe als Lügen zurück und erwarte nunmehr eine Entschuldigung von Kolumbien. In der Region steht Kolumbien nunmehr alleine dar und wird nur noch von den USA öffentlich unterstützt, was zumindest indirekt den Worten von Chavez mehr Gewicht verleiht. Der kubanische Präsident Fidel Castro erklärte, daß bereits “die Fanfaren des Krieges” zu hören seien. Alle anderen Nachbarländer mahnten indes zur Besonnenheit, während Brasilien, Chile und Mexiko anboten zu vermitteln.

Auch dürfte die Ermordung des Sprechers der FARC die Verhandlungen zum Austausch von Geiseln erschwert haben. Kolumbien hält etwa 500 FARC Mitglieder in Gefangenschaft, während die FARC im Gegenzug etwa 40 Militärs, Polizisten und Politiker, unter ihnen die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, gefangenhält. Unter Vermittlung von Chavez ließ die FARC kürzlich sechs ihrer Geiseln frei.

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