Nationalstolz: Die Deutschen und das patriotische Problem

25. Juni 2008 in Deutschland, Gesellschaft, Sport

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WELT ONLINE: Bei kaum einer anderen Gelegenheit kocht der Nationalstolz so hoch wie beim Fußball. Täuscht der Eindruck – oder ist Deutschland dafür besonders anfällig?

Grünewald: Nein, das hängt natürlich mit unserer Kriegsvergangenheit zusammen. Das Deutsche an sich ist vielen Leuten suspekt, sie brauchen Identitätssurrogate. Das konnte die D-Mark sein, das konnten aber auch Boris Becker oder Michael Schumacher sein. Auf politikfernen Feldern konnte sich die Sehnsucht nach einem Nationalgefühl unbelastet austoben. Auch der Fußballplatz war dafür geeignet. Wobei es natürlich auch immer Linksintellektuelle gegeben hat, die damit ein Problem hatten. In den siebziger Jahren gehörte es noch zum guten Ton, zu den Holländern zu halten oder zu den Franzosen, um seine aufrechte Gesinnung zu dokumentieren.

WELT ONLINE: Nur der Antipatriot war ein guter Deutscher?

Grünewald: Genau, der Gute war der, der zu den Nachbarn hielt. Diese Wahrnehmung hat sich aber geändert. Bei der WM 2006 haben wir gezeigt, dass wir sowohl leidenschaftlich unsere Mannen anfeuern als auch gute Gastgeber sein können. Diese Angst der Deutschen, dass diese Leidenschaft wieder zum “Heil Hitler” führt, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.

WELT ONLINE: Von dem türkischen Nationaltrainer Fatih Terim stammt der Satz: “Wenn unser Volk auf uns stolz ist, dann sind wir auch stolz auf unser Volk.” Wenn Bundestrainer Joachim Löw so etwas sagen würde, würde die Angelegenheit aber trotzdem schnell zum Politikum werden, oder?

Grünewald: Wenn es um nationale Befindlichkeiten geht, sind wir etwas cooler. Überschwängliches Pathos, wie es damals Hitler oder Goebbels an den Tag gelegt haben, ist uns immer noch suspekt. Würdenträger wie die Bundeskanzlerin oder der Bundestrainer bemühen sich da um eine diplomatischere Lesart.

WELT ONLINE: Wie lange wird Deutschland denn noch an dieser historischen Hypothek zu schleppen haben?

Grünewald: Wie gesagt, das Trauma wurde durch die WM abgemildert. Die Frage ist, ob es uns gelingt, etwas von dieser Aufbruchstimmung in die Politik zu transportieren.

WELT ONLINE: Was vermag denn der Fußball, was die Politik nicht kann?

Grünewald: Der Fußball liefert uns erstens Visionen – das kann ein Wiederaufstieg oder ein Sieg bei der Europameisterschaft sein. Durch diese übergeordneten Ziele erleben wir zweitens auch so etwas wie Gemeinsinn. Wir haben alle denselben Glauben und dieselben Hoffnungen. Und das dritte ist: Jeder hat das Gefühl, persönlich mitwirken zu können. Durch Fahnenschwenken, durch Kriegsbemalung oder durchs Daumendrücken. Das ist genau das, was in der Politik häufig nicht gelingt: eine Vision zu entfesseln, ein Gefühl von Gemeinschaft zu erzeugen. In der Politik kämpft jeder um seine eigenen Pfründe. Der Bürger taucht in dieser Welt höchstens noch als Nichtwähler auf.

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Quelle

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7 responses to Nationalstolz: Die Deutschen und das patriotische Problem

  1. Na ja dann bekommen wir wenigstens noch einen Sandkasten, in dem wir Fähnchen schwingen können und so richtig stolz sein dürfen auf unsere “Nationalmannschaft”.
    Wir dürfen aber auf keinen Fall Anstoß an deutschen Nationalspielern wie Asamoah, Owomoyela,Kuranyi oder Gomes oder.. oder nehmen.
    Das wäre dann wider politisch unkorrekt.
    http://www.npd-unna.de

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  2. ###Bei der WM 2006 haben wir gezeigt, dass wir sowohl leidenschaftlich unsere Mannen anfeuern als auch gute Gastgeber sein können.###

    Leidenschaftlich lieben die Bundesbürger ihre Nationalmannschaft, denn
    die ist Multi-National, wie alles in der BRD. Glückliche Idioten, kann ich da
    nur sagen.

    ###Diese Angst der Deutschen, dass diese Leidenschaft wieder zum “Heil Hitler” führt, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.###

    Was für ein dummes Gequatsche, als wenn eine BRD-Leidenschaft zu etwas anderem imstande ist vorgegeben Mustern zu folgen.
    Die Umerziehung hat fast perfekt funktioniert.
    Der Pawlowsche-Reflex auf alles Nationale konnte dem Deutschen bisher auch nicht abtrainiert werden, zu tief wurde er eingepflanzt.
    Wahrscheinlich wird das deutsche Volk daran zu Grunde gehen.

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  3. Die “Welt” ist ein Ableger des Springer-Konzerns, also da darf man sich über dümmliche Interviews auch in Zukunft nicht wundern.

    Komischerweise werden “Welt-Online”-Kommentare dennoch immer wieder gerne auch von nationalen Seiten zitiert, was ich noch nie verstand!

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  4. Zitat:
    “Grünewald: Der Fußball liefert uns erstens Visionen – das kann ein Wiederaufstieg oder ein Sieg bei der Europameisterschaft sein. Durch diese übergeordneten Ziele erleben wir zweitens auch so etwas wie Gemeinsinn.”

    Das war sicher 1954 so, aber das war eine andere Zeit. Dieses heute zu bemühen ist so, als wenn man eine abgelaufene Konserve öffnet, aus der dann ein verfaulter Gammelpatriotismus zutage tritt.

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  5. Landsmaenner habt ihr mitbekommem, wie den Hoch- und Landesverraetern die Angst im Nacken sass, dass es durch diesen ringelpietz (fussball) soetwas wie ein kleines nationales Erwachen geben koennte .
    Es wurden gruene Sabberlaetze ausgegeben, wo Botschaften gegen den Rassismus draufstanden, Ballack musste wie in der chinesischen Kulturrevolution oeffentlich Abitte vor dem Spiel tun. Ein unwuerdiges Schauspiel, was in seiner Eindeutigkeit unzweifelhaft auf eine riesen Angst der Voelkervernichter schliessen leasst.
    Sie wissen ganz genau was sich mit diesen Kulturbereicherern in Kuerze auf deutschen Strassen abspielen wird .
    Bloss unseren satten Bunzelbuergern ist da noch kein Licht aufgegangen, aber die Not, der Hunger und die Trauer um massakrierte Angehoerige wird aus ihnen auch wieder demuetige, bessere Menschen machen.
    Man meusste diesen Narren anstatt Charlotte Roches “Feuchtgebiete” Herrman Loens “werwolf” ans Herz legen, damit das Aufwachen nicht ganz so unsanft vonstatten geht.

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  6. @Bogislav v. Sechlow: genau auch meine Meinung zu diesem unwürdigen
    Spektakel, wie auch die düstere Prognose! Gratuliere!

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  7. Natürlich war die Angst vor Ausschreitungen da. Nur hatte viele Leute Angst vor beiden Seiten, nicht nur vor den Türken. Und offensichtlich ist es weitgehend friedlich abgelaufen. Scheinbar sind die Türken keine schlechten Verlierer und für die hier erwarteten Ehrenmorde hat die Enttäuschung doch nicht gereicht.

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