Gedanken zum Begriff Gewalt – Beispiel Halbe
25. November 2005 in Deutschland
Gewalt hat verschiedene Erscheinungsformen; die Anwendung körperlicher Gewalt ist nur eine der vielen Facetten. Bei den Opfern von Gewalt entstehen Reaktionen, oftmals Wut. Ein Blick auf die möglichen Folgen politischer Gewalt am Beispiel Halbe
Der Begriff Gewalt verdient es, näher betrachtet zu werden. Das Wort spielt in der politischen Diskussion eine grosse Rolle; wer Gewalt anwendet oder anwenden will, ist damit diskreditiert und steht ausserhalb der Gruppen derjenigen, die noch als diskussionfähig erachtet werden. Ein solches kurz gegriffenes Verständnis von Gewalt kommt natürlich dem regierenden System entgegen; wer Macht besitzt, wird immer dazu neigen, selbst Gewalt anzuwenden und die Gewalt anderer abzulehnen. Dabei wird die eigene Gewalt als legitime gesehen – sie geht ja schliesslich vom Staate aus. Die Gewalt oppositioneller Gruppen ist eine illegitime, von vornherein indiskutable. So gibt es Priviliegien der Gewalt – diejenigen, die sie anwenden dürfen; diejenigen, die ihr unterworfen sind. Die aktuelle Diskussion um den Terrorismus und die Voraussetzungen wie Folgen solcher terroristischer Aktionen wäre gut geeignet, Privilegien bei Anwendung des Gewaltbegriffes aufzuzeigen.
Gewalt begegnet uns nicht nur in physischer Form – als Schlagstockgewalt oder was auch immer. Gewalt kann auch eine psychische sein; ein Zwang, etwas zu tun, der nicht mit körperlicher Gewaltanwendung herbeigeführt wird, sondern mit der Androhung von Sanktionen (Strafe) oder auch nur sozialen Nachteilen (Berufsverbot). All das sind Formen der Gewalt.
So erfahren gerade wir als oppositionelle Gruppe Gewalt in vielfältiger Form mehr oder weniger andauernd. Die Ereignisse um Halbe zeigen, dass Gewalt u. a. als Zwang der Unterlassung einer genehmigten Demonstration angewendet werden kann, mit scheinbar “friedlichen” Mitteln. Die Antifa setzt sich einfach auf die Strasse – das ist so “friedlich”, würde im Zivilleben aber Nötigung genannt, da ein anderer daran gehindert wird, Zulässiges gemäss eigenem Willen zu tun. Konkreter Widerstand gegen diese besondere, passive Form der Gewaltausübung ist faktisch unzulässig; die Polizei bricht aufkommende Versuche mit körperlicher Gewalt. So spielen verschiedene Formen der Gewalt gleichsinnig ineinander.
Ja, Halbe war ein Ort, an dem massive Gewaltanwendung zu beobachten war. Die Gewalt nahm ihren Anfang allerdings längst vor den ersten Drängeleien mit der Polizeikette; jede erzwungene Abweichung vom genehmigten Plan der Demonstration ist eine Form von Gewalt, die sich allerdings hinter dem Anschein der Friedfertigkeit versteckt und dennoch Gewalt ist (wirksamer Zwang der Unterlassung).
Wir haben den Ort als Opfer dieser Gewalt verlassen, ruhig und angepasst, wie es wohl auch von den Verantwortlichen erwartet wurde. Nun führt die Anwendung von Gewalt bei den Betroffenen im Allgemeinen zu Reaktionen – beispielsweise zu Wut. Man liest in den Berichten auf nationalen Netzseiten denn auch von der “geballten Faust in der Tasche” usw. Das sind absehbare und verständliche Reaktionen, die jede Gruppe unter vergleichbaren Bedingungen entwickelt hätte, gerade auch die sog. Antifa mit ihren diversen militanten Ausläufern.
Diese Strategie ist möglicherweise bedacht; man müsste ihre Ziele kennen. Tatsächlich wird sie eine Eskalation der Gewaltbereitschaft nach sich ziehen und ist dadurch bedenklich. Wer auf die Durchsetzung eingeklagten Rechts nicht mehr vertrauen kann, wird möglicherweise bei kommenden Anlässen geneigt sein, sein Rechtsvertrauen aufzugeben und auf anderes zu vertrauen – in Frage kommt u. a. eine höhere Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt. Noch einmal – wir bedauern das. Aber wer die Bedingungen und Reaktionen am Beispiel Halbe studiert, wird zu dem Ergebnis kommen müssen, dass dem Frieden und der Rechtssicherheit im Lande auf diese Weise kein Dienst erwiesen worden sein dürfte. Will man das provozieren? Es scheint fast so, jedenfalls ist kaum vorstellbar, dass man diese naheliegenden Folgen nicht bedacht hat. Man führt die Menschen auf einen Weg, der Gewalt bedenklich näher, und schreit entsetzt auf, wenn absehbare Folgen eintreten sollten.
Quelle: Nationaler Beobachter Halle/Merseburg

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