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06. September 2010

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Michael Winkler: Desaster-Koalition

Für einen Software-Entwickler ist der erste Lauf eines unbekannten Compilers mit einer neuen Programmiersprache ähnlich aufregend wie die erste Ausfahrt mit einem neuen Auto. Deshalb werde ich nie vergessen, wie ich mein erstes FORTRAN-Programm kompilieren ließ. Mit “Warnings” und “Errors” hatte ich gerechnet, doch dieser Compiler hatte noch eine dritte, gravierendere Ebene, er warf auch “4 Desasters” aus. Das Programm habe ich natürlich zum Laufen bekommen, aber es war ein einmaliges Erlebnis, “Desasters” gemeldet zu bekommen.

Es wäre schön, wenn man eine neue Bundesregierung einfach in einen Compiler schicken könnte, der dann auswirft, wovor er warnt, wo er Fehler festgestellt hat – und ob diese Regierung ein einziges Desaster ist. Noch schöner wäre es, wenn die Fehler einer Bundesregierung so einfach auszumerzen wären, wie die Fehler eines Programms. Wobei ich noch Erfahrung mit Assembler habe, was übertragen hieße, die Köpfe aufzumeißeln und da drin die lockeren Schrauben festzuziehen und die fehlenden Tassen in die Schränke zu stellen.

Leider ist die Überschrift doppeldeutig, und, was noch weit schlimmer ist, beide Deutungen treffen zu. Die neue Regierung ist nicht nur ein Desaster, sie erbt auch ein Desaster, das sie nicht lösen, sondern nur verschleppen kann. Aber unser aller Merkel wollte das so, sie wollte Schwarz-Gelb und sie hat Schwarz Gelb bekommen. Bei dieser Farbkombination denke ich zuallererst an eine Wespe, so ein lästiges Tierchen, das unbedingt in meinem Cola-Glas schwimmen möchte. Eine Wespe besitzt einen Stachel, deshalb vertreibt man die mit einer gewissen Vorsicht. In dieser Koalition geht es aber um Merkel, da wäre Respekt fehl am Platz. Zum Glück gibt es ein passendes Tierchen: die Schwebfliege. Sie besitzt keinen Stachel, ist ein wenig kleiner und tarnt sich nur als schwarz-gelbe Wespe. Deshalb paßt die Schwebfliege wunderbar als Sinnbild der Desaster-Koalition.

Das Personal

Beginnen wir mit dem Personal, denn das ist das Wichtigste. Es geht schließlich darum, wer einen Dienstwagen bekommt, und bevor das nicht geklärt ist, hat niemand den Kopf frei für Sachthemen. Das muß man als Wähler doch verstehen. Wenn die eigenen Privilegien erst mal gesichert sind, kann man sich um weniger wichtige Details kümmern.

Neue Köpfe braucht das Land, nicht wahr? Schauen wir uns zuerst die Köpfe in der FDP an, der Partei, die seit elf Jahren im Bund nicht regiert hat. Da stoßen wir zunächst auf Guido Westerwelle und jubeln laut auf, denn der Mann war noch nie an irgendeiner Regierung beteiligt, nicht einmal auf Dorfebene. Neu ist er allerdings nicht, denn er bemüht sich redlich seit diesen elf Jahren, sich und den seinen Regierungsdienstwagen zu beschaffen. Wir kennen ihn als Spaß-Guido, als Kanzlerkandidaten, als den Abstauber Möllemannscher Ideen und als den Mann mit dem Sprung in der Schallplatte, der andauernd von Steuersenkung redet. Aber keine Sorge, Außenminister schafft er. Was ein “Joschka” Fischer konnte, kann jeder dressierte Schäferhund, also auch ein Guido Westerwelle.

Dann wäre da Rainer Brüderle, der Wunsch-Wirtschaftsminister der FDP. Immerhin, der Mann hat Erfahrung, der war schon mal Landeswirtschaftsminister. Angeblich sitzt er früh um fünf Uhr im Büro und erwartet, daß seine Mitarbeiter hellwach zur Stelle sind. Sonst gibt es aus seiner Amtszeit in Rheinland-Pfalz nichts zu berichten, keine herausragenden Leistungen, kein Wirtschaftswunder, nichts. Der Mann kann demnach verwalten, aber keine Impulse geben.

Hermann Otto Solms wäre der FDP-Mann für das Finanzministerium. Immerhin, der Mann hat einen gewaltigen Pluspunkt: Als Nachfolger von Waigel, Lafontaine, Eichel und Steinbrück wäre er als Einäugiger mit grauem Star ein Fortschritt gegenüber den Blinden. Neu ist er nicht, er hat schon viele Jahre als Bundestags-Vizepräsident hinter sich.

Für das Justiz-Ministerium hätte die FDP Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Diese Dame war der Prüfstein der frühen Neunziger, wer deren Namen fehlerfrei aussprechen konnte, war als Politik-Interessierter aufgeflogen. Ja, die Schnarri war schon mal Justizministerin, falls sich noch jemand an sie erinnern sollte. Sie ist schon unter Kohl zurückgetreten, als der noch Erfolge feiern durfte. Jetzt möchte sie zurück, natürlich zum Besten des Landes. Wer waren ihre Vorgängerinnen? Hertha Däubler-Gmelin und Brigitte Zypries. Besonders mit Ruhm bekleckert haben sich diese Damen nicht, abgesehen davon daß die Ältere etwas gegen George Bush gesagt haben soll, weshalb sie von der SPD entsorgt wurde. Natürlich weiß ich nicht, warum ausgerechnet das Justizministerium für die Frauenquote sorgen soll, aber Sabine L.-S. könnte sogar ein Lichtblick sein, wenn sie in ihrem Ministerium das umsetzt, was sie ohne Amt bislang angekündigt hat. Wie wäre es mit der Abschaffung des Meinungskontroll-Gummiparagraphen 130?

Was ist, wenn die FDP einen fünften Minister haben will? Von der Stimmenanzahl stünde ihr das zu, aber woher sollte sie den neben? Obwohl, es gibt immer mehr Leute, die einen Dienstwagen haben wollen, als Dienstwagen, die zu vergeben sind. Notfalls springt Walter Scheel ein, als der Mann von morgen, das Sinnbild für das erneuerte Deutschland.

Kommen wir zur Splitterpartei CSU. Als Landesverband der CDU wäre die durchaus beeindruckend, nirgendwo sonst hat jemand die 40 Prozent plus X geschafft. Für die CSU sind das aber mindestens zehn Prozent zu wenig, unter Seehofer geht diese Partei weiter nach unten. Warum wohl? Da gibt es nette Bilder von Bauern, die ihre Felder mit Milch düngen. Zufällig ist die Bundeslandwirtschaftsministerin von der CSU. Da gibt es ein kleines Städtchen, das schon einmal in einer Volksabstimmung einen Hotelneubau abgelehnt hat. Weil solche Abstimmungen in Bayern nur ein Jahr gelten, hat der Gemeinderat den Hotelbau erneut beschlossen – und so eine weitere Volksabstimmung dagegen provoziert. Im Gemeinderat regiert die CSU. Dann gibt es da einen Seehofer, der am liebsten auf seinen Koalitionspartner einprügelt, ohne den er nicht regieren könnte. Das mögen die Bayern gar nicht gerne, und Seehofer ist auch noch in der CSU. Kein Wunder, daß da ein paar Stimmen fehlen und eine Menge Parteimitglieder austreten.

Wenn man rechnet, kommt die CSU dank ihres Leichtgewichts auf zwei Ministerposten. Da Ilse Aigner bislang nur ein Ministerjahr auf dem Buckel hat und für eine schöne Extra-Pension mindestens vier braucht, will sie natürlich Ministerin bleiben. Auf der anderen Seite will keine andere Partei das Ministerium für Gammelfleisch und Vogelvergasung gerade dann übernehmen, wenn die Bauern mit Milch um sich spritzen. Folglich sollte sie auf ihrem Sessel bleiben. Und immer schön auf Seehofer hören, der weiß nicht nur alles, sondern das auch noch besser.

Was machen wir mit Karl Theodor von und zu Guttenberg? Die neue Lichtgestalt der CSU, die den Weg aus der Seehoferfinsternis weisen soll, hat das beste Erststimmenergebnis in allen 299 Wahlkreisen geholt, jene 68 Prozent, die man bei der CSU früher gewohnt war. Natürlich muß der Minister bleiben, doch gibt es da ein kleines Problem. Das Wirtschaftsministerium betrachtet die FDP als ihren Erbhof und da die FDP die Mehreren sind (ja, ich kann ein bißchen Bayrisch), wollen die ihre Latifundie auch haben. Traditionell stünde dem dritten und kleinsten Koalitionspartner das Innenministerium zu, aber ob Merkel das dem Schäuble antut? Ich gebe ja zu, Schäuble ist Ohrfeigen von Merkel gewohnt. Sie hat ihn als Parteivorsitzenden abgeschossen und ihn nicht Bundespräsident werden lassen, vielleicht vergibt sie auch sein Amt neu. Als Innenminister darf man schließlich ebenfalls ausländische Anwaltskanzleien mit der Ausarbeitung von Gesetzen betrauen.

Arbeits- und Sozialminister wäre auch ein schöner Posten für Guttenberg, aber dafür wird inzwischen Ronald Pofalla gehandelt. Der wäre auch der richtige Mann dafür, der nimmt halt zukünftig nach dem Aufstehen zwei Schlaftabletten statt nur einer und schon wäre er gegen alle Widrigkeiten dieses Postens gewappnet.

Welche tollen Ministerien aus der SPD-Konkursmasse wären noch zu vergeben? Verkehrsministerium, Umweltministerium, Gesundheitsministerium, Entwicklungshilfeministerium… Das sind alles glanzlose Posten für Flachpfützen und Dienstwagen-Ullas, für Mallorca-Flieger und rotgefärbte Heidis, aber eben nicht für einen Freiherrn von und zu Guttenberg. Das wären viel bessere Pofalla-Posten, dann könnte der Herr von der CSU doch Arbeitsminister werden.

Man kann ja schachern. Die FDP verzichtet auf das Wirtschaftsministerium, dafür erhält sie fünf Ministerposten. Guttenberg bleibt Wirtschaftsminister und wird Vizekanzler, dafür verzichtet die CSU auf das Innenministerium. Das Postengeschachere kennen wir ja schon, vor allem dann, wenn es um unwichtige Versorgungspöstchen wie den Bundespräsidenten geht.

Die CDU hatte sechs Ministerposten (einschließlich Kanzlerin) und bekommt jetzt neun bis zehn. Bei so absoluten Koryphäen wie de Maiziere, Jung und Schavan gibt es natürlich keinen Grund, sie auszuwechseln. Die Kanzlerin bleibt ohnehin, wer sollte sonst die ganzen Weltreisen auf sich nehmen? Schäuble muß bleiben, denn seit in diesem Land Halloween gefeiert wird, sorgen seine Masken für Umsatz. Von der Leyen will erst recht niemand auswechseln, hat sie sich doch mit “Zensursula” gerade erst einen neuen Spitznamen erarbeitet. Aber da inzwischen jeder weiß, daß sie siebenfache Mutter ist, wird sie womöglich umgesetzt. “Mutti” Merkel hat schließlich ebenfalls in zwei Ministerien nichts geleistet.

Es gibt also drei bis vier neue Pöstchen zu verteilen, einen davon für Ronald McDonald, äh, Pofalla. Da trifft es sich gut, daß Peter Müller im Saarland abgewählt worden ist. Dieter Althaus wäre allerdings geschmacklos, denn der ist eindeutig ein Auslaufmodell. Wenn nun Thüringen und Brandenburg Volksfront-Regierungen bekommen, fallen genug Parteifreunde an, die Minister oder Staatssekretär werden wollen. Wie immer, gibt es auch da mehr Leute, die einen Dienstwagen haben wollen, als Dienstwägen, die zu vergeben sind.

Die Aufgabe

Ja, und hier wird es wirklich lustig. Kurt-Georg Kiesinger hat der Nachfolgeregierung noch gut gefüllte Staatskassen hinterlassen, Angela Merkel hat sich dagegen lauter Überraschungseier gelegt. Sie hatte zwar gute Ansätze gezeigt und die Steuern erst mal kräftig erhöht, aber an der Kasse saß leider kein Franz Josef Strauß, sondern ein gewisser Peer Steinbrück, der es einfach nicht geschafft hat, das Geld in eben dieser Kasse zu behalten. Er hatte aber angekündigt, es bis 2011 versuchen zu wollen.

Bei Friedrich dem Großen wäre aus der Hosenanzugträgerin nichts geworden, denn der verlangte von seinen Offizieren Fortune. Eine Kanzlerin, die sich in Heiligendamm feiern läßt, während eine Weltwirtschaftskrise heraufzieht, erfüllt diesen Anspruch nun mal nicht. Natürlich ist nicht die Kanzlerin daran schuld, daß ein jüdisches Bankhaus deutschen Rentnern Zertifikate andreht und dann pleite geht. Das ist für sie nur ein Grund mehr, in unverbrüchlicher Solidarität für das Existenzrecht Israels einzutreten.

Wofür die Kanzlerin allerdings kann, sind die tollen Bankbürgschaften, die sie vergeben hat. Da kam es auf ein paar Milliarden mehr nicht an, das hat sie ja alles vorher durch die Steuererhöhungen reingeholt… Ach nein, der Steinbrück konnte das Geld ja nicht zusammenhalten, also hat es sich die Regierung gepumpt. KfW, HRE, IKB, Commerzbank, HSH Nordbank, Bayern-LB… Die Empfängerliste ist unvollständig, aber milliardenschwer. Und bisher ist noch recht wenig Geld geflossen, das kommt erst noch, wenn die Krise die nächste Runde einlegt.

Das Bild ist nicht von mir, aber so gut, daß ich es verwenden möchte: Ein Ball springt eine Treppe hinunter. Auf jeder Stufe schlägt er auf, springt hoch, schafft es vielleicht sogar für einen Augenblick über die vorherige Stufe hinaus. Dann strahlen alle ifo- und sonstigen Institute und die Kanzlerin verkündet den Aufschwung. Dummerweise fällt der Ball nach unten, schlägt auf einer noch tieferen Stufe auf als zuvor. Dann spricht die Kanzlerin davon, daß wir das Tal erreicht haben und Solidarität mit Israel, millionenschweren Bankmanagern, der EU, den USA und was weiß ich noch alles üben werden, damit Deutschland stärker aus der Krise herauskommt, als es hineingeraten ist. So eine Treppe kann ziemlich lang sein und ganz weit nach unten gehen.

Die neue Regierung wird die BRD weiter ausmerkeln müssen. Steinbrück wird den Titel des Schuldenkaisers schon nächstes Jahr wieder los, weil sein Nachfolger einen neuen Rekord hinlegen wird, selbst wenn alles gut geht. 100 Milliarden Euro sind bereits jetzt geplant, ohne daß eine einzige Bank die Hand aufhält. Bei dieser Anzahlung dürfte es kaum bleiben, weil die ganzen Lasten der Vorgänger-Regierung, der großkoalitionären Merkel, auf die Schwebfliegen-Merkel herabdonnern. Die Automobilindustrie wird ohne Abwrackprämie schrumpfen, aus Kurzarbeitern werden Arbeitslose. Die Zulieferer werden zusammenbrechen, weil sie keine Gewinne mehr erzielen. Gaststätten werden schließen, da sich die Arbeitslosen ihr Feierabendbierchen nicht mehr leisten können.

Das Einzige, was noch greifen wird, ist die Agenda 2010. Diese erlaubt es, die Arbeitslosenstatistiken ein wenig zu schönen, also um mindestens 50% zu reduzieren. Schröders fünf Millionen Arbeitslose kamen nur zustande, weil die Statistik damals noch ein wenig ehrlicher gewesen war, die seitherigen Korrekturen haben uns einen merkelhaften Aufschwung vorgegaukelt. Allerdings einen Aufschwung bei fallenden Arbeitslöhnen, denn profitiert davon haben nur die reichsten zehn Prozent der hiesigen Bevölkerung.

Ich hätte gerne “der deutschen Bevölkerung” geschrieben, doch da wir ja angeblich ein Einwanderungsland sind, ist die deutsche Bevölkerung nicht mehr relevant. Nach offiziellen Zahlen haben 15 Millionen Inländer einen “Migrationshintergrund”, das sind 18,75 Prozent der Einwohner. Oh… seltsam. Hat Merkel deshalb die Mehrwertsteuer bei ihrem Amtsantritt um 18,75 Prozent erhöht? Aber das ist sicher nur ein Zufall, wie die seltsame Begebenheit, daß Israel als einziges Land der Welt nicht von der Weltfinanzkrise betroffen ist.

Wie lebt es sich in einem Land mit zehn Millionen Arbeitslosen? Wie lange kann Hartz IV noch als finanzielle Zuwendung gezahlt werden? Von dem “Bürgergeld” der FDP ganz zu schweigen… Merkel hat eine durchsetzungsfähige Mehrheit, sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat, sofern die Gerichte in Schleswig-Holstein nicht anders entscheiden und Peter Harry Carstensen die durch Wahlbuchungstricks errungene Mehrheit wegnehmen. Aber Gerichte in Deutschland sind verläßlich, ob es nun um Schauprozesse geht oder um die Bestätigung von Überhangmandaten. Die hat das Bundesverfassungsgericht bis 2011 zugelassen, damit die Union noch mal so richtig abernten konnte, volle 24 Abgeordnete zusätzlich, mit Diäten, Privilegien, Hofstaat und allen anderen Annehmlichkeiten. Die schöne Mehrheit könnte nun etwas tun, an das sich Merkel mühsam gewöhnen müßte: regieren! Regieren heißt sparen, für die notleidenden Banken. Mit der Umstellung von Hartz IV auf Lebensmittelgutscheinen spart man viel mehr Geld, als eine Börsenumsatzsteuer einbrächte.

Wie regiert es sich in einem Land mit zehn Millionen verärgerten Arbeitslosen und fünfzehn Millionen verärgerten Zuwanderern? Oh, das wird bestimmt lustig. Oder ein Desaster, falls Sie in der Überschrift nachgesehen haben. Wie regiert es sich in einem Land, das an der Seite Israels in unverbrüchlicher Solidarität gegen den Iran kämpft? Natürlich auch an der Seite der USA und Großbritanniens, während Frankreich, Italien, Spanien und Japan keinen Grund sehen, harmlose Perser wegen nicht vorhandener Atomwaffen anzugreifen. Den Trick mit den unauffindbaren Massenvernichtungswaffen kennen wir schon aus dem Irak, selbst Leute mit durchschnittlicher Intelligenz fallen darauf nicht mehr herein. Bei dieser Kanzlerin spielt jedoch Intelligenz keine Rolle, sondern Gefolgschaftstreue. Obama hat schließlich Wort gehalten, als er ihr versprochen hatte, sie werde die Wahl gewinnen. Sie durfte sie sogar auf genau die Art gewinnen, die sie sich gewünscht hatte. Und damit das nicht so auffällt, wurden uns OSZE-Wahlbeobachter ins Land geschickt. Wir sind eben besser, als Mielke je gewesen ist.

Die Aktienkurse steigen, die Kapitalisten freuen sich, die Börsenexperten bedauern, daß SIE, der Kleinanleger, die ganze schöne Hausse verpaßt haben. Aber keine Sorge, es geht erst richtig los! Kaufen Sie, kaufen Sie, kaufen Sie! Dann sind Sie dabei, wenn die Blase platzt und die Kurse in den Keller rauschen. Denn trotz aller BRD-Nettozahlungen sind die meisten EU-Länder noch schlimmer dran als Merkel-Deutschland. Die Exporte sind 2009 mit zweistelligen Raten eingebrochen. 25%, 30%, 35% – um simple 25% wieder auszugleichen, müßten die Exporte sechs Jahre in Folge um jeweils 5% ansteigen. Nur, leider, haben die Kunden kein Geld dafür. Und wenn die Verbraucher nicht bezahlen können, baut niemand neue Fabriken, um Waren zu produzieren. Wenn keine Fabriken gebaut werden, verkauft der deutsche Maschinenbau nichts. Wo also sollen die neuen Exporte herkommen?

Aber zum Glück sind wir ein großes, bevölkerungsreiches Land, da gibt es eine Menge Binnennachfrage. Sagt jedenfalls die Gesellschaft für Konsumforschung. Nur dumm, daß die Reallöhne seit 1996 stagnieren. Nur dumm, daß der Euro, der in nur sieben Jahren mehr als die Hälfte seiner Kaufkraft eingebüßt hat, damit unsere Ersparnisse auffrißt. Und wenn wir eine so gute Binnennachfrage haben, wieso waren wir in den letzten Jahren Exportweltmeister? Zu dumm, daß die Binnennachfrager immer nur Brot, Wein, Käse und Nudeln kaufen, anstatt Alu-Druckguß-Maschinen. Oder fertige Möbel, anstatt CNC-gesteuerte Holzbearbeitungsmaschinen.

Banken geben keinen Kredit, wenn eine Firma mit Umsatzeinbußen diesen Kredit dringend braucht. Günstige Hypotheken interessieren keinen, der fürchtet, in den nächsten Monaten entlassen zu werden oder Gehaltskürzungen zu erleben. Selbst die Reisebranche erlebt bereits Einbrüche.

Der größte Posten im Haushalt ist vorläufig noch “Arbeit und Soziales”. Bald werden es die Zinszahlungen sein, denn Zinsen auf alte Schulden werden immer bezahlt, selbst wenn man dafür neue Schulden aufnehmen muß. Bei Ihnen hieße das “Insolvenzverschleppung”, wenn es der Finanzminister tut, nennt man das natürlich “Staatskunst”. Vor einem brauchen Sie sich übrigens nicht zu fürchten, auch wenn dieses Märchen gerne erzählt wird: daß unsere Kinder und Enkel diese Schulden zahlen müßten. Von den Schulden unserer Eltern und Großeltern, angehäuft in 60 Jahren Besatzer-Republik, haben unsere überaus fähigen Politiker nicht einen einzigen Pfennig zurückgezahlt! Die sind alle noch da! Klar, der Bundesschatzbrief, den Ihnen die Oma vor 30 Jahren zum Abitur geschenkt hat, wurde inzwischen ausbezahlt. Das sieht zwar so aus, wie der Autokredit, den Sie abbezahlt haben, es ist aber nicht so. Ihre großzügige Oma hat dem Staat 1.000 Mark geliehen, Sie haben sieben Jahre Zinsen bekommen (aus dem Bundeshaushalt, Rubrik “Schuldzinsen”) und dann die 1.000 Mark. Diese 1.000 Mark hat sich der Staat mittlerweile von einer anderen großzügigen Oma geliehen, und noch weitere 1.000 Mark dazu (diese zweite Summe verbirgt sich unter “Nettokreditaufnahme”).

Netto? Ja, denn es gibt auch ein Brutto. 2.000 Mark aufgenommen, 1.000 Mark zurückgezahlt, macht 1.000 Mark neue und 1.000 Mark alte Schulden. Anders ausgedrückt: Sobald Ihr Auto abbezahlt ist, werfen Sie es weg und kaufen sich ein doppelt so teueres, natürlich wieder auf Kredit. Dieses schöne Spiel läuft in einer Exponentialkurve, die Schulden steigen also immer steiler und immer schneller, bis es schließlich in die Senkrechte übergeht. Und dann? Na ja, auf der X-Achse läuft die Zeit und die läßt sich nicht aufhalten. Die Regierung setzt die Kurve auf Null und fängt wieder von vorne an. In der Mathematik spricht man von einer Unstetigkeit, in der Wirtschaft von einem Staatsbankrott.

So ein Staatsbankrott ist eine lustige Angelegenheit. Da teilt Ihnen die Bundesschuldenverwaltung mit, daß Ihre Bundesschatzbriefe ab sofort leider wertlos seien. Die Bundeskanzlerin spricht im Fernsehen und erklärt, daß wir alle den Gürtel enger schnallen müssen. Genau genommen meint sie damit, daß sie, die Kanzlerin, Ihnen, dem Steuerzahler, den Gürtel enger schnallen wird. Denn der Staat, das sind bei einem Staatsbankrott Sie, der sonst so entmündigte Bürger. Nicht der Staat, sondern Sie haben dann kein Geld mehr, müssen aber weiterhin Steuern zahlen. Die Regierung muß ihre Dienstwagen schließlich betanken, die Kanzlerin muß hin und wieder irgendwo hinfliegen, um sich die Hand küssen zu lassen, wir müssen Solidarität zu Israel zeigen, unsere Soldaten in Afghanistan versorgen, die EU stützen… Nur wegen eines läppischen Staatsbankrotts hören die Verpflichtungen doch nicht auf!

Afghanistan ist übrigens auch so ein Aktivposten der Bundesregierung. Wir führen dort etwas, was bei Hitler “Angriffskrieg” geheißen hatte und überaus verwerflich war. Heute heißt es “robuster Stabilisierungseinsatz” und ist überaus gerecht, wünschenswert und notwendig. Die Kanzlerin schickt da für viel Geld unzureichend ausgerüstete Kinder anderer Leute hin und vermeidet es, bei den Begräbnissen aufzutauchen, wenn diese Leute ihre Kinder in Särgen zurückbekommen. Ich glaube, das dient noch nicht einmal der unverbrüchlichen Solidarität mit Israel, sondern passiert auf Wunsch der USA. Die Amerikaner haben in New York ein paar Hochhäuser professionell gesprengt, danach den Afghanen mitgeteilt, daß diese daran schuld seien und anschließend bombardiert. Worauf das Duo Schröder/Fischer schnellstens deutsche Soldaten auf einen “robusten Stabilisierungseinsatz” hingeschickt hat, um Israel zu beweisen, daß man notleidende Verbündete wie die bedrängte USA selbstlos unterstützt.

Deutsche Truppen patrouillieren vor der Küste des Libanon, aus unverbrüchlicher Solidarität mit Israel, und beobachten, wie die Hisbollah auf dem Landweg neue Waffen bezieht. Deutsche Truppen patrouillieren vor der Küste Somalias und beobachten, wie deutsche Reeder ihre Schiffe von den dortigen Piraten freikaufen. Deutsche Truppen stehen im Kosovo und beobachten, wie Albaner dafür sorgen, daß ihre serbischen Mitbewohner auch schön in ihren Ghettos bleiben und sich nicht mehr in dieser künftigen Provinz Großalbaniens ausbreiten. Alle diese Militäreinsätze sind unbedingt nötig und werden deshalb von der jeweiligen Regierung immer wieder verlängert. Gelegentlich stänkert die Opposition dagegen, aber so richtig unternehmen möchte sie natürlich nichts. Warum? Weil SPD und Grüne die meisten dieser Einsätze beschlossen haben, als sie noch auf den Regierungsbänken und in den Dienstwagen saßen.

Mistress of Desaster

Ja, das ist tatsächlich Englisch und obendrein auch noch mit voller Absicht mehrdeutig. Der leichter auszusprechende “Master of Desaster” (der den akademischen Grad “Diplom” bzw. “Magister” ersetzt und als Aufbaustudium auf den “Bachelor of Desaster” folgt) ist entweder dafür zuständig, das Chaos zu meistern oder es erst richtig hochzukochen. Da wir bereits vier Jahre Merkel in freier Kanzlerbahn beobachtet haben (und uns aus den Anfangsjahren Trittins gut an das von ihr entworfene Dosenpfand erinnern), wissen wir natürlich, daß Frau Dr. Angela Merkel, MoD, für die Verbreitung von Chaos und die Herbeiführung von Desastern zuständig ist.

In ihrer ersten Amtszeit als Bundeskanzlerin wurde kein einziges der anstehenden Probleme gelöst (zum Glück hatte Jürgen Trittin sieben Jahre Zeit, sonst würde selbst das Dosenpfand noch nicht funktionieren), dafür sehr viele neue geschaffen. Ob Weltwirtschaftskrise oder Gesundheitsfonds, ob Staatsschulden oder Realeinkommen der Arbeiter, ob Kriegseinsätze oder Dienstwagenaffären – alles ist nur immer schlimmer geworden. Immerhin, es ist noch nicht so schlimm, daß es nicht noch viel schlimmer kommen könnte, deshalb haben die USA die erfahrene Mistress of Desaster im Amt gehalten und wir Deutsche durften so tun, als würden wir sie wählen.

Ich gebe zu, die Show ist gut inszeniert. Von den hohlköpfigen “Aintschie, Äintschie, Äintschie”-Rufen der CDU-Claqueure, über die zurechtgedrechselten Sympathiewerte in den Umfragen bis hin zu den “spontanen” Äußerungen von “Mann/Frau auf der Straße Darstellern”, die sagen “Aintschie makes a heckuva job”. Synchronisiert heißt das dann: “Merkel macht einen tollen Job.” Das ist fast so perfekt wie damals bei Leni Riefenstahl, mit dem kleinen Unterschied, daß es bei Leni Riefenstahl echte Filmkunst gewesen ist, heute hingegen nur billige Propaganda.

Der Personenkult ist unauffälliger als bei Stalin, aber ebenso wohlinszeniert. Bei Gipfeltreffen tragen alle Männer dunkel Anzüge und alle Frauen dunkle Kostüme – bis auf die grellbunte Kanzlerin, die auf allen Photos heraussticht. Die Kameraleute haben Anweisung, aus welchem Winkel sie aufnehmen sollen, damit sie Kanzlerin vorteilhaft einfangen. Der Blätterwald von Friede Springer und Liz Mohn (Bertelsmann) ist angewiesen, wie über die Kanzlerin zu berichten ist. Die dazugehörigen Senderketten bringen vorteilhafte Ausschnitte, das öffentlich-rechtliche Bezahlfernsehen ebenso. Was einer Ulla Schmidt eine Dienstwagenaffäre einbringt, wird bei der Kanzlerin unter den Teppich gekehrt und allseits totgeschwiegen.

Das beste sind aber die fehlenden Übersetzer. Was Merkel so von sich gibt, ist in der Regel derart verschwurbelt, daß kaum jemand versteht, was sie überhaupt sagen möchte. Man könnte das natürlich ganz einfach lösen, indem ein Dolmetscher das Kanzlerisch in verständliches Deutsch übersetzt. Was bei Saarländern, Schweizern, Allgäuern und anderen ausgefallenen Dialekten gerne getan wird, unterläßt man bei der Kanzlerin, denn das würde so aussehen, als könne sie sich nicht verständlich machen. In den Zeitungen hingegen erlebt man eine ganz andere Merkel, da fallen kurze, prägnante Sätze, die sie zwar nie gesagt hat, aber das ausdrücken, was die Journalisten glauben, verstanden zu haben.

Um ein Beispiel zu geben: Merkel würde sich so ausdrücken: “Aufgrund der human-biogenen Klimaveränderungen, gegen die die von mir geführte Bundesregierung in enger Zusammenarbeit mit unseren europäischen und außereuropäischen Verbündeten entschieden angeht, ist kondensierende Luftfeuchtigkeit ein temporäres Problem, mit dem wir uns gegenwärtig auseinandersetzen müssen.” In den Zeitungen steht schlicht: “Es regnet.” In einem Interview würde eine solche Antwort der Kanzlerin den intellektuellen Anstrich rauben, zudem könnten Journalisten bei kurzen, verständlichen Antworten viel mehr fragen, deshalb hat sich die bunte Kanzlerin Techniken angeeignet, um solche Lästlinge niederzuhalten. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ernannte sie dafür im Gegenzug zur “Trulla aus der Uckermark”.

Immer wieder wird von größenwahnsinnigen Diktatoren (oder US-Präsidenten) berichtet, sie betrachteten sich als Werkzeuge der Vorsehung. Der gottgeschenkte (Todes-)Engel Angela Dorothea Kasner/Merkel/Sauer ist zweifellos ein solches Werkzeug, um den Untergang der BRD herbeizuführen. Die Desaster-Koalition unter der Mistress of Desaster hat jedoch einen einzigen Vorteil: Da deutsche Politiker auf unterstes Mittelmaß geschrumpft sind, wird es kein perfektes Ergebnis geben. Das Desaster, der Zusammenbruch, wird schmerzhaft ausfallen, es wird viele Opfer geben, doch das Chaos wird nicht vollkommen sein.

Zu viele Länder haben sich darauf verlassen, daß sie Deutschland auf ewig ausbeuten können. Unter der Mistress of Desaster bricht dieses Land schneller zusammen, als sich das die Ausbeuter vorstellen können. Wenn der Wirt am Ende ist, sterben die Parasiten, denn ein neuer Wirt ist nirgendwo aufzutreiben. Es gibt eine alte Prophezeiung (“Lied der Linde”):

Zehre, Magen, zehr vom deutschen Saft,
Bis mit einmal endet deine Kraft,
Krankt das Herz, siecht ganzer Körper hin,
Deutschlands Elend ist der Welt Ruin.

In dieses Elend werden wir gerade geführt. Ein verelendetes Deutschland kann keine Solidarität mit Israel mehr üben, kann den USA keine Hilfstruppen mehr stellen, kann keine Tribute mehr an die EU abführen. Wenn das Herz Europas krankt, siecht der ganze EU-Körper dahin. Wir leiden unter dieser Krankheit, ganz massiv. Die Krankheit heißt nicht Angela Merkel, das ist nur der Name des finalen Schnupfens, der zu gesunden Zeiten keinerlei Schaden angerichtet hätte, doch nach den vielen Vorerkrankungen den Tod herbeiführt.

Das Desaster wird auf die Verursacher zurückfallen. Unser Staat ist NICHT das sterbende Merkel-Deutschland, unser Staat ist das Deutsche Reich. Merkel-Deutschland kann, ja muß sterben, damit das Deutsche Reich wieder aufblühen wird. Und deshalb:

Willkommen, Desaster-Koalition! Prosit! Ihr werdet uns nutzen!

Michael Winkler

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Michael Winkler: Desaster-Koalition”

  1. Me262 sagt:

    Deutschland wird eher seine eigenen Bürger verhungern lassen als die Zahlungen an Israel einzustellen.

    Ansonsten: Wieder ein gelungener Arteikel von MW!

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