Begriffsanpassungen

31. Dezember 2005 in Ausland, Deutschland, Nordamerika, Wissenswertes, Zionismus

In einem am Dienstag von der Los Angeles Times veröffentlichten Artikel des britischen Journalisten Robert Fisk kritisierte dieser anläßlich der Abberufung eines Kollegen des Boston Globe anhand mehrerer Beispiele offenbar gezielte Begriffsaufweichungen in den Medien.

“Ich bezeichnete die israelische Likud-Partei als ‘rechts’”, sagte sein Kollege. “Aber kürzlich haben mir meine Redakteure gesagt, ich solle diese Formulierung nicht mehr benutzen. Zahlreiche Leser kritisierten dies.” Auf die Nachfrage “Und jetzt?” sagte er: “Wir bezeichnen sie einfach nicht mehr als ‘rechts’.”

Dies ist aber keineswegs die einzige Formulierung, die offenkundig den Boden einer neutralen Berichterstattung weit hinter sich läßt. So werden die zementierten israelischen Landnahmen von besetztem – auch dies ein weiterer Tabubegriff – palästinensischem Land nicht einmal mehr als “Siedlungen”, sondern mittlerweile gar als “jüdische Viertel” bezeichnet. Aus dem besetzten Palästina wurde “umstrittenes” palästinensisches Land, nachdem der damalige US-Außenminister Colin Powell US-Botschaften im Mittleren Osten anwies, diese Formulierung zu benutzen.

Und auch die “Mauer”, die mittlerweile praktisch offiziell der israelischen Landnahme dient, wird gern als “Zaun” oder “Sicherheitssperre”, dem von staatlichen israelischen Stellen bevorzugten Begriff, bezeichnet. “Auf einigen Teilen, so sagt man uns, ist es überhaupt keine Mauer – also können wir es auch nicht als ‘Mauer’ bezeichnen, obwohl der größte Teil der Schlange aus Beton und Stahl, die sich östlich Jerusalems erstreckt, höher als die Berliner Mauer ist”, so Fisk.

Fisk sieht hier auch eine klare Absicht, jeglichen palästinensischen Widerstand zu diskreditieren. “Wenn palästinensisches Land nicht besetzt, sondern nur Teil eines rechtlichen Streits ist, der vor Gericht oder bei Gesprächen über einem Glas Tee ist, dann handelt ein palästinensisches Kind, das einen Stein auf einen israelischen Soldaten wirft, offenkundig irrsinnig”, schreibt er. “Wenn eine illegal auf arabischem Land gebaute jüdische Kolonie nur ein nettes freundliches ‘Viertel’ ist, dann muß jeder Palästinenser, der sie angreift, einen sinnlosen terroristischen Akt begehen”, ebenso, wie es keinen Grund gäbe, gegen einen “Zaun” oder eine “Sicherheitssperre” zu protestieren.

Aber auch hinsichtlich des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA gegen den Irak greifen offenbar die gleichen Mechanismen, wurden die irakischen Widerstandskämpfer doch von Beginn an – ganz der Linie der US-Regierung und des US-Militärs folgend – als “Rebellen”, “Überbleibsel des früheren Regimes” oder auch – gerade in letzter Zeit ein zunehmend beliebter Begriff – als “Terroristen” bezeichnet. Ebenso vermeidet es das US-Fernsehen, die Folgen der Bombardements, des Napalms, der ungezielten Schüsse oder der Strahlung des “abgereicherten” Urans zu zeigen.

“In der guten alten Zeit glaubten wir – oder nicht? – daß Journalisten ‘sagen sollen, wie es ist’”, so Fisk. “Also laßt uns eine Kolonie eine Kolonie nennen, laßt uns Besatzung als das bezeichnen, was sie ist, laßt uns eine Mauer eine Mauer nennen. Und vielleicht die Realität des Krieges zum Ausdruck bringen, indem wir zeigen, daß er nicht vorrangig Sieg oder Niederlage bedeutet, sondern das totale Versagen des menschliches Geistes.”

Quelle: Freace.de 27. Dezember 2005

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2 responses to Begriffsanpassungen

  1. Nun, nicht erst in jüngsten Tagen funktioniert diese Propagandamaschinerie. Was wurde nicht alles in die Köpfe gehämmert (oder gebombt) als es um die Ausschaltung eines freien Deutschlands im 20. Jahrhundert ging?Hunnen, Kinderfresser, Seifehersteller,Räuber,Massenmörder,dumme Nachläufer, Herrenmenschen usw. waren die gebräuchlichsten sprachl. Umschreibungen für Ihre Pläne.Damalige Terroristen ala Resistance oder die in Russland waren “Freiheitskämpdfer”, ihre gemeuchelten Opfer aber waren bestialische Besatzer.Aufgehetzte, mordende Polen und Tschechen waren “Vergelter von erlittenem Unrecht”, deren Opfer faschistische Bestien.Verhungernden Kriegsgefangenen sprach man ab, überhaupt Kriegsgefangene zu sein, nur um sie noch weiter verhungern zu lassen oder einfach an die Wand stellen zu können.Deutschen warf man die Exekution gefangener “Partisanen” ( sehr oft von brit. “Colaborateurs” gedungene und finanzierte Terrosisten) vor, wogegen vor laufender Kamera Deutsche von Amerikaner erhängt worden, weil sie z.B. Bomberpiloten hingerichtet hatten, also ja Kriegsverbrecher gewesen seien. “Barbarossa” war ein zu verachtender Überfall auf ein friedliebendes Land, der Überfall auf Finnland und das Baltikum von russ. Seite ein Jahr zuvor wird nur kurz erwähnt, die Zerschlagung des irak. Staates war Notwehr. Das Verbot z.B. kommunistischer Literatur und Propaganda im 3.Reich gilt als menschenverachtende Gleichschaltung eines Landes, das Verbot und die Verfolgung nationaler Gedanken heute ist ein Schutz für “die friedliebende Welt”.Die Deportation von Juden und Arbeitskräften aus den besetzten Gebieten von deutscher Seite waren “Greueltaten”- die Vertreibung, Ermordung und Internierung Deutscher nach 1945 war notwendiges, gar selbstverschuldetes Übel( auch das nach 1918 bereits). In den wenigen deutschen Kolonien litten die Einwohner unter dem fremden Joch, da Deutsche sich dort unmenschlich aufgeführt hätten, in den sehr vielen Kolonien der anderen Großmächte tanzten und feierten alle Sklaven…schon klar.
    Tja, so funktioniert Gedankenmanipulation und die Opfer davon trift man täglich auf der Strasse.

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  2. Hamburg,Dresden und alle anderen 161 zerbombte deutsche Städten gedenkt man parallel zu Rotterdam und Coventry, wohl wissentlich, dass es sich bei den zerbombten deutschen Städten fast ausnahmslos um zivile Ziele gehandelt hat, wogegen die Bombardierung z.B. Rotterdams, nach erfolgtem Ultimatum an die Bewohner und Verteidiger Rotterdams als Kriegsschauplatz erfolgte, da diese Stadt von Bodentruppen gegen Bodentruppen verteidigt wurde, somit die Bombardierung im Einklang mit der Haager Landkriegsordnung stand. Den Einwohnern von Dresden, Hamburg,Köln, Berlin etc. waren weder die geplanten Bombenteppiche bekannt noch waren diese Städte unmittelbarer Kriegsschauplatz. Heute erfährt man aber, dass “die Saat, die Deutschland sähte” auf das Land zurück kam. Tja, so einfach kann man Verbrechen gegen Moral selbst in Kriegszeiten begründen.

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