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30. July 2010

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Mannichl: Oberstaatsanwalt Walch redet Klartext

shrek-gingy

Vor knapp einem Jahr will der ehemalige Passauer Polizeichef Alois Mannichl von einem “Neonazi” niedergestochen worden sein. Seinerzeit galt Mannichl noch als Held, weil er sich doch so mutig den “Rechten” entgegenstellte. Zur Aufklärung des Falls wurde eigens eine 50-köpfige Sonderkommission eingerichtet, doch der Neonazi mit der Schlangentätowierung konnte nicht aufgefunden werden. Stattdessen verdichteten sich die Gerüchte, daß Mannichls Verletzung sogar nur die Folge eines Familienstreits gewesen sein könnte.

Bisher schwiegen Mannichls Kollegen und auch der Oberstaatsanwalt zu dem Vorfall, doch hielt es Mannichl vor knapp einer Woche für nötig den Fall neu aufzurollen und dabei seinen Kollegen vorzuwerfen, schlampig ermittelt zu haben (wir berichteten). Genau diese Chutzpah von Alois Mannichl bewegte den leitenden Oberstaatsanwalt Helmut Walch nunmehr dazu, einige Dinge richtigzustellen: “Es ist der Zeitpunkt gekommen, sich zu wehren gegen den Vorwurf von Herrn Mannichl, die Ermittlungsbehörden hätten falsche Angaben gemacht und er sei deshalb in der Öffentlichkeit ins Zwielicht geraten. Es muss auch mal gesagt werden, dass sich Herr Mannichl bei seinen Vernehmungen nicht widerspruchsfrei verhalten hat.”

Der Stern berichtet weiter:

Schon länger ist bekannt, dass Mannichl sich immer wieder in Widersprüche verwickelte. Einer dieser Widersprüche betrifft die vermutliche Tatwaffe. Ein Küchenmesser, das Mannichl nach seiner Aussage Tage vor der Tat selbst in der Nähe der Eingangstür seines Hauses abgelegt hatte. Die Ermittler rätseln: Macht es Sinn, dass ein Täter in Tötungsabsicht zu Mannichl kommt und dann ein Messer benutzt, das er zufällig am Tatort findet? Oberstaatsanwalt Walch, der die Ermittlungen führt, nennt nun stern.de erstmals Details: “In den ersten Anhörungen und Vernehmungen hat Herr Mannichl gesagt, dass in Vorbereitung des Adventfestes Tische vor seinem Haus standen, auf denen Lebkuchen lagen.” Da sei ein kleiner Junge vorbeigekommen, den er nicht gekannt habe. Der habe um einen Lebkuchen gebeten. Daraufhin habe Mannichl gesagt: “Der ist doch viel zu groß für dich, warte, ich hole ein Messer und schneide dir den Lebkuchen ab. Als er zurückgekommen sei, habe der Junge schon den ganzen Lebkuchen aufgegessen gehabt. Herr Mannichl habe dann das Messer bei den Lebkuchen auf dem Tisch liegen gelassen. So seine erste Einlassung. Die hat er auch in weiteren Vernehmungen wiederholt.

In einer Vernehmung im Januar habe Mannichl dann aber von dem Jungen nichts mehr erwähnt, so Walch, sondern angegeben, “dass ihm während des Festes ein schlampig abgebrochener Lebkuchen aufgefallen sei, worüber er sich geärgert habe. Dann habe er ein Messer aus dem Haus geholt, damit in Zukunft die Lebkuchen glatt abgeschnitten werden können. Das Messer habe er dann auf den Tisch gelegt. Beim Aufräumen sei alles ins Haus getragen worden, nur das Messer nicht. Das habe er auf das Fensterbrett gelegt.”

“Zu dem Jungen lieferte Herr Mannichl keinerlei Beschreibung”, so Walch. “Wir haben natürlich versucht, den Jungen zu finden. Das war dann aber hinfällig, als Herr Mannichl Anfang Januar das mit dem Jungen nicht mehr wiederholte. Das sind unterschiedliche Einlassungen.”

Wenig Verständnis hat der Oberstaatsanwalt auch für Mannichls öffentlich vorgetragenen Vorwurf, die Beamten der inzwischen aufgelösten Sonderkommission “Fürstenzell” hätten seinerzeit unprofessionell gearbeitet, weil sie keine Proben von Mannichls Fingernägeln nahmen, um mögliche DNA-Spuren des Attentäters zu sichern. “Als die Kripo am Tatort eintraf, war Herr Mannichl schon im Krankenhaus”, sagte Walch stern.de. “Er ist sofort einer Notoperation unterzogen worden. Schon durch die medizinischen Vorbereitungsmaßnahmen, aber auch durch den Kontakt mit verschiedenen Personen wurden die Fingernägel sehr stark kontaminiert. Dann hat Herr Mannichl in den ersten Vernehmungen den Angriff so geschildert, dass ein unmittelbarer Kontakt, insbesondere ein Hautkontakt mit dem Täter nicht stattgefunden habe.” Später habe Mannichl “die Auseinandersetzung im Detail allerdings als wesentlich intensiver, die Art, aber auch die Angriffs- und Abwehrbewegung anders geschildert”. Walch: “Ich kann aus Rücksicht auf die Ermittlungen leider die Details nicht nennen, aber es sind Widersprüche da.”

Erst nach seinen von den ursprünglichen Einlassungen abweichenden Darstellungen habe Mannichl “moniert, dass keine Spurensicherung an seinen Fingernägeln erfolgt” sei. Wirklich verärgert ist der Oberstaatsanwalt vor allem über Mannichls Kollegenschelte: “Ich muss die Polizeibeamten dafür in Schutz nehmen, dass sie keine Proben von den Fingernägeln genommen haben. Herr Mannichl ist der einzige, der den Ablauf beobachtet hat, er ist hoher Polizeibeamter, er weiß um die Brisanz und den Beweiswert von Fingernägeln. Er war der Vorgesetzte der Polizeibeamten, die fast täglich bei ihm im Krankenhaus waren, und er hat zu keinem Zeitpunkt die Beamten gefragt: Warum nehmt ihr keine Proben von den Fingernägeln? Wenn er selbst das nicht für erforderlich gehalten hat, dann kann man den Polizeibeamten jetzt auch keine Vorwürfe machen.”

Der einzige, dem man wirklich einen Vorwurf machen kann ist Alois Mannichl, denn seine nach eigenem Bekunden lebensgefährlichen Verletzungen entpuppten sich nämlich als genauso erfunden wie die Mär von dem gezielten rechten Anschlag:

“Es bestand keine Lebensgefahr”, sagt Walch. “Gott sei Dank ist es nicht zu inneren Blutungen gekommen und kein Organ verletzt worden. Der Stich war nicht sehr tief. Es war kein heftiger Stich. Der Blutverlust war äußerst gering.”

Ob der Tathergang jemals rekonstruiert und ein Täter gefunden werden kann, ist auch ein Jahr nach der Attacke unklar. Fest steht nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler allerdings, dass es sich kaum – wie von Mannichl vermutet – um einen gezielten Anschlag aus der rechtsradikalen Szene gehandelt haben kann. “Mit jeder Überprüfung ist es unwahrscheinlicher erschienen”, so Walch, “dass der Täter im organisierten rechtsradikalen Spektrum zu finden ist. Unsere sehr intensiven Ermittlungen lassen den Schluss zu, dass keine Organisation dahintersteht. Das ist eine Kernaussage.”

Die Frage, die sich stellt, ist, inwieweit eine Person wie Mannichl im Polizeidienst überhaupt noch tragbar ist. Wir haben es hier offenbar mit einem Menschen zu tun, der bewußt und mehrfach falsche Aussagen gemacht hat. Dies ließe sich entweder dadurch erklären, daß Mannichl ein pathologischer Lügner ist oder aber an einer geistigen Krankheit wie dem Wilkomirski-Syndrom (Opferwunsch) leidet.

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Kommentare

3 Kommentare zu “Mannichl: Oberstaatsanwalt Walch redet Klartext”

  1. Verandi sagt:

    Tja, so ist das halt…

    und der Mannichel der da im Glashaus sitzt, hat nun mal den ersten Stein geworfen…

    Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die ganze Geschichte richtig gestellt wird.

    Schon damals (ich war zu diesem Zeitpunkt in der BRD) kam mir diesen “Maerchen vom Lebkuchenmann” ziemlich unglaubwuerdig vor und zwar deshalb weil in Mannichels Haustuer ein Fenster eingelassen war und daneben befindet sich auch noch ein “normales” Fenster in der Hauswand.

    Bei Mannichels Vorgeschichte ist es mehr als merkwuerdig, abends einem unbekannten Glatzkopf die Tuer sperangelweit zu oeffnen und laesst fuer mich nur zwei Schlussfolgerungen zu:

    1. Mannichel hat gelogen…

    oder

    2. Mannichel hat seinen Job als Polizeidirektor total verfehlt, denn wer am Abend einem unbekannten Glatzkopf soweit die Tuer oeffnet, das dieser ihn mit dem “hauseigenen” Messer niederstechen kann, zeichnet sich durch besondere Inkompetenz aus.

    Schon jedes Kind in Deutschland (siehe Aktenzeichen XY) lernt relativ frueh keinem Unbekannten die Tuer zu oeffnen.

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  2. Sympathieträger sagt:

    Der Herr Polizeidirektor ist das exemplarische Beispiel, wie weit der Opferwunsch gehen kann, wenn dieser der gesllschaftlichen Erwartung entspricht.

    Verschiedene Selbstverstümmelungen und Eigenbrandstiftungen waren dem vorausgegangen, so konnte Herr Mannichl getrost davon ausgehen, unabhängig von seiner haarsträubenden “Storry” zum vorweihnachtlichen Medienstar zu werden.

    Soweit hat das auch funktioniert – aber nun kommt jedes Jahr ein Jahrestag – und was jetzt ???

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  3. [...] hatte Walch und der Sonderkommission schlampige Ermittlungsarbeit vorgeworfen, woraufhin Walch entgegnete, daß nicht die Ermittlungsarbeit schlampig war, sondern Mannichl alle paar Tage eine andere [...]

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