Aktionsgruppe Güstrow: Coffee to go – Ein Erlebnisbericht bundesdeutscher Realität

13. Juni 2010 in Deutschland, Gesellschaft

Die Arbeit ist geschafft, endlich Feierabend, jetzt schnell zum Bahnhof, rein in den nächsten Zug nach Güstrow und ab nach Hause. Am Rostocker Hauptbahnhof angekommen wühle ich mich hastig durch die Menschenmenge, ich nehme keine Notiz von den Mitmenschen um mich herum, genauso wie von mir auch keiner etwas wahrnimmt. In dieser schnellen und lauten Zeit ist jeder mit sich selbst beschäftigt und verschwindet als unbemerkbarer Teil in einer großen, anonymen Masse. Im Vorbeigehen werfe ich einen Blick auf die Anzeigetafel: 18:02 Uhr Rostock Hbf – Güstrow Gleis 5, mein Blick wandert zur Uhr, gerade wechselt der Minutenzeiger von 18:02 auf 18:03 Uhr, die Zeit hat mich eingeholt. Etwas verärgert über den verpassten Zug und die somit „verschenkte Zeit“ gehe ich zum Bahnhofsbäcker. „Einen Kaffee, schwarz bitte“, kaum habe ich ausgesprochen wirft die Verkäuferin mir entgegen: „Der Kaffee zum mitnehmen?“, „Ja bitte“, schon tippt sie in gewohnter Routine alles in die Kasse ein, „1,50 € bitte!“. `Soziale Marktwirtschaft Ade, hier herrscht der Wucher!`, ich reiche das Geld über die Theke, in militärisch anmutendem Zack sucht die Verkäuferin das Wechselgeld aus der Kasse und legt es in die Geldschale auf der Theke. Noch während ich das Wechselgeld in die Tasche stecke wird der nächste Kunde empfangen: „Was darf´s sein?“. Schnelligkeit, das einzige worauf es hier ankommt, Zeit ist Geld und Geld ist teuer! Die Kundenschlange muss so kurz wie möglich gehalten werden, denn an einer langen Schlange stellt man sich ungern an und entschließt sich womöglich zur Konkurrenz weiterzugehen.

Draußen setze ich mich auf eine Bank, ich genieße die warme Maisonne und nehme einen Schluck aus meinem Kaffee. In großer Schrift steht ´COFFEE TO GO` auf dem Pappbecher. Umerziehung? Amerikanisierung? Identitätsvernichtung? Die Gedanken kreisen durch meinen Kopf, da setzt sich ein älterer Mann auf eine Bank neben mir, in der Hand hält er eine Plastiktüte, beim abstellen der selben klimpert es, langsam zieht er eine Bierflasche aus der Tüte. Ich betrachte den Mann, seine Erscheinung ist runtergekommen, er sieht verbraucht aus. Obdachlos? Ja? Nein? Ich weiß es nicht, auch wenn sein Aussehen dafür spricht. ´Opfer!`, so würden ihn zugezogene, artfremde „Kulturbereicherer“ nennen und ja, er ist ein Opfer, wenn auch nicht im abwertenden Sinne wie es unsere „Neudeutschen“ und deren ignoranten, dümmlich nachäffenden Altersgenossen deutscher Herkunft meinen, nein er ist ein Opfer einer kranken Gesellschaft, einer Gesellschaft, welche allein auf Kapital getrimmt ist und den Menschen lediglich als Arbeitssklaven und Konsumenten braucht. Opfer einer Gesellschaft, in der kein Platz für Menschen ist, die sich in ihr nicht zurechtfinden, jene Menschen werden abgedrängt, beiseite geschoben und zurückgelassen. Eine Gemeinschaft, welche sie auffangen könnte gibt es nicht, sie wurde vor mehr als 60 Jahren durch Bomben zertrümmert. Jener Weltvergifter, welcher vor Jahrzehnten Bomben auf unsere Heimat warf, stampfte einen Staat aus dem Boden, welcher es heute zulässt, dass Menschen einsam auf Parkbänken sitzen und ihren letzten Halt im Alkohol finden.

Noch während ich mir über den alten Mann Gedanken mache gehe ich zum NETTO, einer unserer vielen Discounter, welche sich ´Geiz ist Geil` und ´Billiger geht’s nicht` auf die Fahnen geschrieben haben. Im Einkaufsmarkt stehe ich einer NETTO-Mitarbeiterin beim auffüllen der Regale im Weg. Ein grimmiger Blick trifft mich, kein freundliches Lächeln, kein ´Darf ich mal bitte`, nein, nur ein genervter Blick. Zwei Regale weiter sehe ich eine weitere Marktangestellte, auch hier der gleiche genervte Ausdruck. Aber was will man auch erwarten bei einem Monatsgehalt von 400 €, um nur halbwegs über die Runden zu kommen muss das Arbeitsamt beisteuern. Altersvorsorge? Fehl am Platz! Da bleibt schon mal die Kundenfreundlichkeit auf der Strecke, die Hauptsache ist, man ist „billiger“ als die anderen! An der Kasse beobachte ich eine Frau südländischen Aussehens, vermutlich eine Türkin. Ihrer Erscheinung nach ist sie gut „integriert“, jedenfalls in die soziale Hängematte der Bundesrepublik, in welcher der alte Mann auf der Bank vor dem Bahnhofsgebäude keinen Platz mehr gefunden hat. Wenn auch nur gebrochen und obgleich jene BRD-Vorzeigetürkin öfter um etwas bittet, wie zum Beispiel um deutsche Sozialleistungen, als dass sie ihren Dank zum Ausdruck bringt, so beherrscht sie doch die deutschen Wörter ´Bitte` und ´Danke`.

Zurück im Bahnhof, unterwegs noch schnell einen Kaffee gekauft, gehe ich zum Bahngleis und schon rollt der Zug ein. Kaum eingestiegen verstehe ich mein eigenes Wort nicht mehr, zwischen den Sitzreihen läuft mir ein Kind entgegen, bleibt vor mir stehen und sieht mich mit großen Augen an. Erschrocken dreht der Junge sich um und läuft zu seiner nach ihm rufenden Mutter, doch genauso wie mir die Worte seiner Mutter fremd sind, wirkte auch der Junge artfremd auf mich. Gedanken kreisen mir durch den Kopf. Ist das unsere Zukunft? Billigjobs, `Systemopfer` auf Parkbänken und ein Millionenheer kultur- und artfremder Menschen? Mein Blick streift den Kaffeebecher in meiner Hand, wieder lese ich: „COFFEE TO GO“ und ich stell mir die Frage: Ist das Deutschland? Doch mein Herz und mein Glaube sagen: Nein, dass ist nicht Deutschland, dass ist BRD!

Deutschland heißt Kultur, BRD heißt Ungeist! Deutschland heißt Heimat, BRD heißt Wirtschaftsstandort! Deutschland heißt Volk, BRD heißt Einheitsmensch! Deutschland heißt Freiheit, BRD heißt Meinungsdiktatur! Deutschland heißt Selbstbestimmung, BRD heißt EU! Deutschland heißt Wahrheit, BRD jedoch heißt Lüge!

ICH BIN NICHT BRD!

Aktionsgruppe Güstrow

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5 responses to Aktionsgruppe Güstrow: Coffee to go – Ein Erlebnisbericht bundesdeutscher Realität

  1. Die BRD kann man mit einer häßlich gewordenen Prostituierten vergleichen, die man für die “Brüder und Schwestern” im Osten Deutschlands, die diese bis 1989 weder sahen noch erlebten hatten, als eine begehrenswerte Schönheit präsentierte. Als der Verkleidungstrick überraschend gut funktioniert hatte und der glühende Liebhaber, mit den in Aussicht gestellten Freuden, wie Reisen, Karriere, Geld und Bordell endlich unter Ehekontrakt stand, da ließ die alte Hure alles Make up, die falschen Teile und allen Schmuck weg und zeigte sich in ihrer ganzen Häßlichkeit. Und das ist genau das Bild, dass die meisten DDR-Bürger erleben mußten und gesehen haben, wenn wir einmal die paar Arschkriecher weglassen, die man als “Präsentationsfiguren” aufbaute.

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  2. @miristübel:

    Auch ich kann mit der aktuellen BRD nichts (mehr) anfangen – es ist ungeheuerlich, wie sich die Verhältnisse in diesem Land seit 1990 verändern. Alle aktuellen Probleme, Zuwanderung etc. sind seitdem explodiert. Aus eigenem Erleben kann ich festhalten, dass die heutige BRD mit der BRD von damals mitnichten etwas zu tun hat. Offenbar kann man mit den nachwachsenden Generationen etwas machen, was damals (noch) nicht möglich gewesen ist. Immerhin ist der Mauerfall nun auch schon fast eine Generation her, eine verdammt lange Zeit, wenn man bedenkt, was allein in schicksalhaften 12 Jahren zu schaffen ist – so oder so …
    Die “BRD” als solche mit nostalgischer Ost – Rückblick – Brille zu geisseln ist sicher nicht zielführend, da “BRD – jetzt” mit “BRD – damals” nichts mehr miteinander zu tun haben. Auch steht “BRD – jetzt” schon seit Jahren eine ehemalige FDJ – Aktivistin als oberster Hosenanzug vor. Die Grenzen sind also längst verwischt. Wieviel DDR ist in der BRD, oder vielleicht sogar umgekehrt?
    Dies daher also auch gestandenen “Wessis” ins Stammbuch: der Zug ist abgefahren.
    Der aliierten Politik, oder denjenigen, die dahinter stehen, ist der grösste Hattrick aller Zeiten gelungen: Einbindung eines der erfolgreichsten und kreativsten Wirtschaftsräume in in ein System mit weniger erfolgreichen Ländern, hemmungsloses Ausschöpfen dessen finanzieller und geistiger Ressourcen. Und dies auch noch unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung, die weitgehend sogar freiwillig mitmacht, dafür buckelt, dass irgendein Olivenbauer auf dem Peloponnes seine 3 Bäume auf einer top – asphaltierten Strasse erreicht.
    Und das Perfide: Alles geschieht freiwillig, der Sklave bekommt gar nicht mit, dass er Sklave ist. Respekt!

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  3. Wie es der einheimischen Bevölkerung ergehen kann, wenn sie von agressiven, vermehrungsfreudigen Einwanderern bereichert wird, kann man an den amerikanischen Ureinwohnern bestens studieren. Ich sehe uns Deutsche schon in Reservaten dahinvegetieren.

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  4. @ Kara Ben Nemsi:
    Brilliant auf den Punkt gebracht! Genauso sehe ich es auch.

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  5. “Und das Perfide: Alles geschieht freiwillig, der Sklave bekommt gar nicht mit, dass er Sklave ist. Respekt!”

    Und dabei würde ein Blick in den Personalausweis genügen. Das Ganze ist so unglaublich, dass es eben keiner glaubt.

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