Michael Paulwitz: Das Vermächtnis einer Richterin

16. August 2010 in Deutschland, Gesellschaft, Multikultur

Die erste Auflage war noch am Tag des Erscheinens ausverkauft. „Das Ende der Geduld“, das mit kühlem Kopf und heißem Herzen geschriebene Vermächtnis der toten Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, ist ein Buch, auf das man offenkundig lange gewartet hat und das dennoch zur rechten Zeit kommt.

Heisig beschreibt, wie „durch elterliches Versagen und unter den Augen der geduldig abwartenden staatlichen Institutionen“ schwerkriminelle Jugendliche heranwachsen, und sie stößt zu den Ursachen des institutionellen Versagens vor: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der an den Problemen bewußt vorbeigeschaut wird: aus Tradition seitens der Zuwanderer, aus Bequemlichkeit und Angst seitens der Deutschen.“

Die überhandnehmende Jugendkriminalität ist – nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen europäischen Großstädten, in denen Kirsten Heisig Problemlagen und Lösungen studiert hat – in erster Linie eine Folge der fehlgeschlagenen Integration von Einwanderern. Die üblichen Ausreden – Diskriminierungserfahrungen, jahrzehntelang unterlassene Integrationspolitik – läßt Heisig für diese großenteils hier aufgewachsene und vollversorgte Klientel, die mit Anpassungsforderungen zu behelligen lange Zeit als „Zwangsgermanisierung“ verpönt war, nicht gelten.

Schwerkriminelle mit mehr als 30 Taten sind zu 90 Prozent Einwanderer

Hinzu kommt: Es gibt, schreibt Heisig, „in Deutschland zugewanderte Menschen, die nie vorhatten, sich einzufügen, sondern schon immer in einer parallelen, in einigen Fällen rein kriminell ausgerichteten Struktur gelebt haben und aus meiner Sicht weitgehend beabsichtigen, damit fortzufahren“. Was bedeutet: Mit dem Instrumentarium, das einen fehlgeleiteten links- oder rechtsextremen Schläger wieder auf die Spur setzen mag, wird man diese Täter nicht beeindrucken, wenn man die Milieus nicht antastet, in denen sie heranwachsen.

Kirsten Heisig, die Neuköllner Jugendrichterin, weiß, wovon sie da spricht. 214 der cirka 550 Berliner Intensivtäter – definiert als Täter, die mehr als zehn erhebliche Delikte in einem Jahr begehen – sind in diesem Stadtteil registriert. Schwerkriminelle mit mehr als 30 Taten sind zu 90 Prozent Einwanderer, zur Hälfte arabischer Herkunft, obwohl viermal mehr türkische als arabische Einwanderer in Neukölln leben.

Die Biographien der jungen Intensivtäter ähneln sich: „Sie werden speziell von ihren Müttern extrem verwöhnt und erfahren keinerlei Grenzsetzung.“ Das führt schon in der Grundschule zu „Gewaltbereitschaft und Respektlosigkeit“. Darauf angesprochen, „suchen die Eltern das Verschulden grundsätzlich beim ‘System’“, sprich bei den „rassistischen“ Lehrern.

Kein Wunder, daß Schulen und Jugendämter mit ihren Methoden, die auf Einbindung und Mitwirkung der Eltern bauen, nicht durchkommen, wenn diese ihre Kinder konsequent der staatlichen Intervention entziehen, notfalls durch monatelange Heimataufenthalte. Von Schule zu Schule, Amt zu Amt, Einrichtung zu Einrichtung werden die Kinder durchgereicht, bis sie mit 14 „endlich“ ein Fall für die Justiz werden. Auch da schildert Heisig viele Kollegen als überfordert; inflationär setze man auf „Anti-Gewalt-Training“ als Allheilmittel, ohne zu wissen, ob die Maßnahme im konkreten Fall geeignet ist, oder je zu evaluieren, ob sie überhaupt wirkt.

Eindruck macht das kaum. „Etliche türkischstämmige und ‘arabische’ Jugendliche achten die in Deutschland geltenden Regeln und Gesetze nicht. Sie sind ihnen gleichgültig.“ Heisig spart nicht mit Details: Die Frauenverachtung, die Lehrerinnen und Schülerinnen demütigt. Der Deutschenhaß, der mit Sprüchen wie „Deutsche kann man nur vergasen!“ instinktiv ins Mark der deutschen Neurosen zielt.

Patentrezepte liefert Heisig nicht. Aber doch wichtige Anstöße. Rasche und angemessene Reaktion macht Eindruck – das ist die Essenz des von ihr entwickelten erfolgreichen „Neuköllner Modells“, das im wesentlichen auf konsequenter Anwendung des beschleunigten Verfahrens im Jugendstrafrecht beruht. Von Gesetzesverschärfungen hält Heisig wenig, solange die bestehenden genug Spielraum bieten. Die Autorin plädiert insbesondere für grundsätzliche Ahndung der Herabwürdigung von Staatsbediensteten; man brauche eine „starke, selbstbewußte Polizei“, um der Ablehnung staatlicher Einrichtungen und ihrer Repräsentanten zu begegnen.

Endlich die Ängste überwinden und handeln

Die Ämter müßten besser zusammenarbeiten und Informationen austauschen; überzogener Datenschutz dürfe dem nicht im Wege stehen, fordert Heisig. Schulen und Polizei müßten vernetzt zusammenwirken wie im vorbildlichen Rotterdamer Modell. Finanzielle Sanktionen wie Bußgelder für Schuleschwänzen oder Kindergeldstreichung seien wirksam und dürften auch bei Hartz-IV-Empfängern, bei denen angeblich nichts zu holen sei, kein Tabu sein. Man werde um die Einrichtung geschlossener Heime nicht herumkommen, um Problemkinder ihren Milieus zu entziehen; „alles andere ist pseudoliberale Heuchelei“.

Skeptisch ist Heisig dagegen bei der Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters – dann werden „demnächst eben Zehnjährige“ als Dealer geholt. Aufenthaltsbeendende Maßnahmen seien in vielen Fällen, wenn Kinder schon in zweiter und dritter Generation hier lebten, illusorisch. Hart zupacken müsse man aber beim Unwesen krimineller arabisch-libanesischer Großclans.

„Sozialromantische Verblendung gepaart mit blanker Angst“

Der strafunmündige Nachschub dieser Clans steigt in Beirut mit Paß ins Flugzeug ein und in Berlin ohne Paß wieder aus. Entweder man kontrolliere die Einreise konsequenter und mit neuen Methoden, meint Heisig, oder man sei verpflichtet, die Kinder und Jugendlichen, wenn man sie denn ins Land lasse, den Banden auch zu entziehen. Anders als bei Deutschen entzögen Berliner Familiengerichte Zuwandererfamilien aber nur selten das Sorgerecht.

Der Grund: „sozialromantische Verblendung gepaart mit blanker Angst“. Sie sei inzwischen überzeugt, „daß die Furcht vor den kriminellen Großfamilien alle anderen Aspekte bei weitem überwiegt“, denn hinter vorgehaltener Hand heiße es: „Man kann kein Kind zwangsweise aus einem arabischen Clan nehmen. Die Familien erschießen jeden, der das versuchen sollte.“ Angst ist für Kirsten Heisig ein schlechter Ratgeber: „Sie lähmt das System und den einzelnen. Deshalb müssen wir sie überwinden und handeln.“

Michael Paulwitz

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12 responses to Michael Paulwitz: Das Vermächtnis einer Richterin

  1. Eine neue Fassung des PDF-Dokuments „Lügen gegen rechts“ ist online und kann kostenlos heruntergeladen werden:

    http://www.file-upload.net/download-2750934/L-gen-gegen-rechts—Eine-Chronologie.pdf.html

    Die Chronologie umfasst nun 33 Seiten.

    Neuerungen:

    Artikel „Hetze gegen rechts“
    Zitate

    Bitte weiterverbreiten!

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  2. “Der Mossad spioniert und mordet in den Vereinigten Staaten ebenso ungeniert wie in Großbritannien, Frankreich oder Deutschland.” So der ehemalige FAZ Redakteur Udo Ulfkotte in seinem Buch “Verschlußsache BND”, Koehler & Amelang, FAZ-Verlag, München 1997, Seiten 70/71.
    Jetzt nicht nur der Mossad, welcher ungeniert, straffrei morden darf, jetzt dürfen daß auch kriminelle arabisch-libanesische Großclans!

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  3. @Wahr-Sager
    Die Datei existiert nicht mehr … Wurde sie von Dir gelöscht?

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  4. Doch, der Link funktioniert, habe es gerade getestet. Irgendwie scheint es hier ein Problem mit dem Umbruch zu geben. Also bitte den Link kopieren und mit STRG+V in das Adressfeld des Browsers einfügen.

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  5. Also, ich kann das Dokument auch nicht runterladen..
    Selbst wenn ich es kopiere und einfüge.

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  6. Hm, ich verstehe das nicht. Wenn ich den Link kopiere und einfüge, kann ich die Seite problemlos aufrufen und erhalte dann auch den Download-Link.
    Ich habe aber vorhin einen Webhosting-Anbieter gesucht und dort das File raufgeladen: http://marko.byethost3.com/

    Hoffentlich klappt es jetzt.

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  7. Frau Heisig hat wohl grundsätzlich recht, aber warum scheut sie vor Konsequenzen zurück?

    Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters lehnt sie ab. Rückführung krimineller Ausländer lehnt sie ab.

    Ja was denn nun? Wenn man die Probleme erkennt, so wie sie es getan hat, darf man auch nicht davor zurückscheuen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

    Eine hitzige Debatte. Was denken Sie? Daumen hoch 7 Daumen runter 3

  8. „Ja was denn nun? Wenn man die Probleme erkennt, so wie sie es getan hat, darf man auch nicht davor zurückscheuen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.“

    Was bitteschön kann man von solch einer kuraschierten Frau verlangen? Welche Konsequenzen hätte sie den ziehen können, die in ihrem Verantwortungsbereich liegen?
    Wenn schon eine Frau in ihrer Position so mutig ist und Tatsachen offen anspricht, die ja wie geschehen nicht ungefährlich sind, ist mir unerklärlich wie man von einem Zurückschrecken sprechen kann und wenn dann können das nur geistige Tiefflieger sein (Systemlinge)!
    Ich weiß gar nicht ob ich dazu in der Lage bin Frau Kirsten Heisig den ihr gebührenden Respekt entgegen zu bringen!
    Da sind mir Äußerungen wie von @ Me262 derart unverständlich, daß ich diese eben in umerzogenen Systemlinge ablege.

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  9. @Wahr-Sager

    Klappt wunderbar, allerdings habe ich jetzt wieder schlechtere Laune, da mir in aller Deutlichkeit der geistig/moralische Unrat dieser “Republik” wieder einmal vor Augen geführt wurde.

    Ansonsten: Im Westen nix Neues. Uns sind die Problematiken ja hinreichend bekannt. Die Frage um die sich alles dreht ist: Wie erfährt es der Nachbar? Und dann der Nachbar vom Nachbarn usw, usw..?
    Ich rede mir manchmal den Mund fusselig, versuche wo es geht aufzuklären! Aber ich erzähle euch nichts Neues, wenn ich sage das es mühselige Arbeit ist, gegen ein Bollwerk von Ignoranz, Feigheit und Dummheit anzureden.

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  10. “Frau Heisig hat wohl grundsätzlich recht, aber warum scheut sie vor Konsequenzen zurück?……. darf man auch nicht davor zurückscheuen die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.”

    Ich hat mir vorgenommen
    gerad durch die Welt zu kommen,
    es wollte mir mich glücken
    ich musste mich öfter bücken!

    Trotzdem die Frage stellt sich:
    Wie kann man Kompromisse leben, wie kann man bereit sein eine Veränderung zu unterstützen, das Richtige tun ohne wie ein Michel Kohlhas zu enden?
    Wann ist genug, genug?

    Richter Heisig hat gehandelt, nicht revolutionär, aber genug um ihren Tod durch sanktionierten Staatsmord geantwortet zu erfahren.

    An ihre Stelle sollten 100 Richter spätestens dann aus deren sicherem Schatten hervor getreten sein.
    Sollte, wenn es diese mit Charakter geben würde.
    Ist aber nicht passiert…
    damit bleibt jeder Schrei, jedes Opfer, jeder Versuch wahrhaftig zu sein ungehört, unbeachtet und der Dekadenz (ausgezeichnet beschrieben, Herr Winkler!) ein weiter Schritt erlaubt.

    Es sind die “Eliten”, würde eher sagen diese Nieten, die diesen Untergang herbei führen.

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  11. Wie hätte es Frau Heisig denn noch besser auf den Punkt bringen können, ohne sich dem Vorwurf, bzw. der Keule des Noenazismus auszusetzen. Uns so ist es ein Buch geworden , welches selbst für den dümmsten Gutmenschen unangreifbar ist. Danke dafür

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  12. @ Wahr-Sager:

    Wurde leider wegzensiert, hätte es gerne angeschaut!

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