Werner Fischer: Berliner Zeit (Teil 1)

22. August 2010 in Deutschland, Geschichte

Dieser Artikel ist der erste Teil einer Serie über die Erlebnisse von Werner Fischer während des 2. Weltkriegs. Wir möchten Herrn Fischer an dieser Stelle herzlich nicht nur für seinen Einsatz für unser Vaterland danken, sondern auch dafür, daß er sich die Zeit nimmt seine Erlebnisse niederzuschreiben.

Werner Fischer auf der Zündap

Werner Fischer auf der Zündap

Die Einheit der ich angehoerte damals in Berlin-Lichterfelde West gehoerte nicht zur LAH, war eine KFZ Ersatzabteilung der Waffen-SS. Da war ein ewiges Kommen und Gehen, von und zu allen Frontabschnitten. Waehrend meine Kameraden, nach einem Schweisser-Lehrgang in der KTL Schoenbrunn (Wien) zur Bereitstellung der Ardennenoffensive kommandiert wurden, wurde ich nach Berlin geschickt, warscheinlich zur “Erholung”, nachdem ich waerend des Lehrganges 10 Tage dort im Robert Koch Krankenhaus mit Diphtherie zubringen musste. Dort erlebte ich dann einen der ersten Tagesangriffe auf Wien. Es gab nur Splittergraeben im Hospitalgarten und es knallte gewaltig in der Naehe, ein Blindgaenger war direkt durch unseren Krankensaal gegangen, alles voller Scherben und Staub. Den naechsten Tag kam ein amerikanischer Offizier in Begleitung eines katholischen Priesters zur Besichtigung, keine Ahnung wo der herkam, kann mich nur an seine grinnende Visage erinnern. Bei der Ankunft in Berlin wurden wir gleich von dem Kommandeur unterrichtet: ”Urlaub gibt es nicht, aber Bau koenn’s ham”, in seinem Wiener Dialekt. Hoerten dann, dass er ein sehr hoher SS-Fuehrer gewesen sein soll in Oesterreich und dann degradiert wurde und als Untersturmfuehrer zu uns kam. ”Kann ja lustig werden”, dachten wir jungen Soldaten. Die Verpflegung dort war sehr knapp,wie ueberall zu der Zeit in Berlin und im Reich, wir waren immer hungrig und manche Kameraden wollten lieber zurueck an die Front. Eines Tages kam ein Pferdefuhrwerk an und brachte Moehren und Steckrueben in die Kaserne. Es waren einige KZ’ler dabei, die sich dort an Ort und Stelle von den mitgebrachten Gemuese etwas kochen durften und wir schlichen dann mit knurrenen Magen daran vorbei! Aber so etwas wird ja nie gezeigt in den vielen Holofilmen. Wir konnten einmal von einem verlassenen Bauernhof an der Oder noch etwas ergattern, obgleich Iwan schon am anderen Ufer war. Bei der Gelegenheit sahen wir dann auch den Truemmerhaufen der Berliner Innenstadt, einschliesslich das Regierungsviertel.

Wichtig zu erwaehnen ist wohl die Neujahrsbotschaft die wir verlesen bekamen: ”Im kommenden Fruehling (1945) wird bei Nacht der Himmel der englischen Hauptstadt London zum Tage werden und am naechsten Morgen Frieden sein!” Den letzten Akt des Berliner Holokaustes haben wir nicht mehr erlebt, denn wir wurden, ca. 300 Mann, runter nach Oesterreich versetzt. Vier Tage bevor der Russe losschlug, am 16.April des Jahres. War doch noch eine Alpenfestung geplant?

Noch kurz aus der Berlinerzeit. Immer wenn ich ein Foto sehe von der Lichterfelder Kaserne, der frueheren Kadettenanstalt unterm Kaiser, schaue ich unten auf das linke Kellerfenster aus dem wir, ein Kamerad und ich, waerend einer Nachtwache vier Kartoffel mit einer langen Stange und etwas Draht herausangelten, Hunger tut weh! Es war stockdunkle Nacht, so sind wir davongekommen, Bestrafung waere schlimm gewesen. Ein allerdings schon vorbestrafter Sturmmann, wurde erst vor einigen Wochen wegen mehrfachen Diebstahl aus der Kleiderkammer zum Tode verurteilt und erschossen. Wir konnten der Gerichtsverhandlung beiwohnen, bei uns in einem Saal. Da waren der Richter und zwei Beisitzer. Seinem Plaedoyer wurde nicht stattgegeben, er wollte sich noch einmal an der Front bewaehren, hatte bereits das EK2, Sturm und Verwundetenabzeichen, nuetzte aber nichts. Nach Bestaetigung seines Urteils stand er zwei Wochen spaeter hier am Pfahl. Nur zwei von unserer Kompanie meldeten sich freiwillig fuer das Erschiessungskommando, der Rest wurde befohlen, einfach abzaehlen,Nr.3.6.9.12., raustreten! Gottseidank war ich nicht dabei! Himmlers Drohung, wenn ein SS-Mann am fremden Eigentum sich vergreift, sei es noch so gering, ist er ein Kind des Todes, hat sich bewahrheitet.

Was immer wieder betont werden muss, ist die grosse Tapferkeit der Berliner Bevoelkerung!

Werner Fischer

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8 responses to Werner Fischer: Berliner Zeit (Teil 1)

  1. Auch von mir vielen Dank dass Sie sich nun doch entschlossen haben noch etwas aus Ihrer Zeit zu berichten und den aufrichtigsten Dank für Ihren Einsatz für unser Land.Die Kraft die Ihre Generation aufgebracht hat ist bis heute unereicht und leider heute kaum noch zu finden. Vor allem sind Ihre Ausführungen wichtig um gegen “Zeugenaussagen”der Tourismus-Zeugen welche in den Nürnberger Prozessen auftauchten die Wahrheit über Ihre Zeit zu erläutern.Gute Gesundheit auch weiterhin dass Sie uns noch sehr lange erhalten bleiben.

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  2. “…
    Es ist nichts Großes dabei, wenn ein Volk seine Krieger ehrt,
    die da siegreich heimkehren.
    Aber wie groß und edel müsste ein Volk sein,das seinen Männern, die geschlagen zurückkommen,noch Kränze flicht.
    …”

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  3. Meine Großväter waren keine große “Helden”.

    Der eine sagte: “Ich habe nur Fleisch gefahren”

    Mein anderer Großvater,verwundet, ist mit der Gustloff versengt.

    Jedenfalls hat sich mein Urgroßvater(1917) in Frankreich einen schönen Splitter eingefangen, daß ihm dadurch 1972, daß Bein abgesägt werden mußte. Der Splitter ist gewandert.

    Eine hitzige Debatte. Was denken Sie? Daumen hoch 2 Daumen runter 14

  4. “…
    Dir fällts aufs Herz wie Schatten von Zypressen,
    wie dumpfen Toten-Marsches-Melodie,
    mag flüchtig Volk die Märtyrer vergessen
    du Kamerad vergisst die Helden nie
    …”

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  5. Wie gesagt keine großen “Helden”.

    aber ihre Pflicht haben sie erfüllt, ohne als “groß” oder “Helden” dazustehen, jetzt aber traurig auf uns herabblicken!

    Sie würden sich im Grabe drehen, wenn sie diese Schande ansehen müßten und auch noch von den Meisten verpönt werden.
    Dafür ist kein deutscher Soldat gestorben und wollte sicher nicht heute als “Held” gefeiert werden.

    Nur so am Rande

    Natürlich sind sie für mich Helden!

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  6. @forstamt:
    Großvater kommt vom großen Vater, und die sind immer Helden, sonst wären wir ja jetzt nicht hier!

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  7. 2martinhe sagte::

    @forstamt:
    Großvater kommt vom großen Vater, und die sind immer Helden, sonst wären wir ja jetzt nicht hier!

    “großer Vater” ist sicher nicht das Synonym für Großvater und die Theorie, das Großväter immer Helden sind, ist meines erachtens, Unsinn.

    “sonst wären wir…”, über Sinn und Unsinn eines Kommendars läßt es sich streiten, sonst wäre ich nicht hier!

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  8. Unsere Generation wird uns sicher nicht befreien, da wir einfach zu feige sind und keinen Arsch in der Hose besitzen.

    In der Theorie ist alles geklärt, nur die praktische Umsetzung ist schier unmöglich.

    Die Großeltern sind Helden! Tolle Sprüche! und wir sind die Geigen, die ab und zu einen Kommendar ins Netz setzen, um unser Ego zu befriedigen!

    Schämt ihr euch nicht?

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