Werner Fischer: Nun begann der Überlebungskrieg (Teil 5)

5. September 2010 in Deutschland, Geschichte

Werner Fischer auf der Zündap

Werner Fischer auf der Zündap

Fuer mich war ja nach 15 Monaten Ausbildung, Lehrgaenge und Krankheit, diese Fronteinheit etwas Neues aber ich bin doch froh es noch erlebt zu haben, denn hier herrschte doch ein ganz anderer Wind wie in den Kasernen, nicht die ewigen Appelle, Exerzieren und im Gleichschritt marschieren, denke auch die Kameradschaft war noch fester, musste sein!

Ich klammerte mich hinten in einen groesseren Gelaende-Wagen (Styer?) fest. Wir hatten auch noch eine Pack im Tau, auch alle Waffen dabei. Es war noch dunkel, fruehmorgens am 8.Mai.1945. Die vielen Orte die wir durchquerten flogen dahin wie im Traum. Kann mich nur an ein paar Namen erinnern, Muerzzuschlag und Scheibbs, es ging Richtung Styer an der Enns.

Als wir dann heraus aus den Bergen kamen ins Tal, erfreute uns das herrliche Fruehlingswetter, alles bluehte und war gruen. Vorher machten wir noch eine Pause in einer Waldlichtung und wohl aus reinem Uebermut wurde noch eine Panzerfaust abgeschossen auf eine dort stehende Stahlplatte. Spaeter, nun in der Ebende, kam uns ein Kradfahrer entgegen in wilder Fahrt, er war nur halb angezogen und ist wohl den Russen entkommen. Er warnte uns, dass im naechsten Ort schon Russische Panzer seien. Andere Strassen wurden benutzt. An einer Kreuzung stand eine Gruppe von Waffen-SS Offizieren neben einem Panzer ,”Da ist Jochen Peiper!” rief einer von uns und man konnte sein Ritterkreuz in der Sonne funkeln sehen.

Es wurde noch einmal im Vorbeifahren gegruesst. Gegen Mittag kamen wir dann in Styer an.

Unerwartet, kein Amiposten auf der Enns-Bruecke. Schon unterwegs hoerten wir von der schlechten Behandlung der Waffen-SS Soldaten seitens der Alliierten. So wurden alle unsere aeusseren Kennzeichen abmontiert, auch das schoene Koppelschloss (Meine Ehre heisst Treue) musste dran glauben, einschliesslich unser Soldbuch. Das Meiste flog in die Enns, nur mit der Blutgruppe unterm linken Oberarm gab es ein Problem. Gleich neben der Bruecke auf einer groesseren Wiese wurden unsere Fahrzeuge abgestellt und auch die Waffen auf einen Haufen geschmissen.

Neben mir wurde ein Verpflegungswagen ausgeleert, Wuerste,Schinken,Bekleidung, alles flog da raus, ein Sack Wuerfelzucker und ein Buendel Unterhosen landete vor mir,konnte es gut gebrauchen! Los ging es dann, einzeln oder in Gruppen. Der Krieg mit den Waffen war vorbei, nun begann der Ueberlebungskrieg, gerade fuer uns Waffen-SS Soldaten.

Werner Fischer

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