Werner Fischer: Robben haben wir ja zur Genüge gelernt (Teil 6)

7. September 2010 in Deutschland, Geschichte

Werner Fischer auf der Zündap

Werner Fischer auf der Zündap

Der Ami hatte sein Wort gehalten, wir kamen also ungehindert ueber die Enns in Steyr (suedlich der Stadt Linz). Vollgeladen mit Wuerfelzucker im treuen “Affen” machte ich mich nun auch auf die Socken, Fusslappen genauer gesagt und hatte auch noch echte Knobelbecher an. Auf einer nahen Hoehe wurde Rast gemacht, da kamen wir noch einmal zusammen, auch der Spiess wurde mit freudigen Gegroehle begruesst. Unten im Tal eine Hauptverkehrsstrasse mit einer unendlich langer Kette von aller Sorten von Fahrzeugen, alles Richtung Linz.

Dort auch einige GI-Posten die einen vollbesetzten Bus anhielten und wir mussten auf’s Dach klettern. “Hands up” haben wir nicht machen muessen, es war alles sehr friedlich, tausende Deutscher Soldaten auf den Weg in die Gefangenschaft. Nach etlichen Kilometern bekam unser Bus Motorschaden und wir hielten an einer groesseren Gaststaette und haben uns da in den Strassengraben gesetzt. Ab und zu kam auch ein Jeep vorbei damit wir nicht so einfach abhauen konnten. Dieses wurde allerdings sogleich geplant, wir wussten ja nicht wie es in den Gefangenenlagern uns ergehen wird, auch ging das Geruecht herum, dass wir von der Waffen-SS an die Russen ausgeliefert werden sollten, der ja auch dort in der Naehe war. Ein Oberfeldwebel, Sanitaeter mit einer Rotenkreuzbinde und drei von unserer Truppe verkruemelten uns dann ins nahe Kornfeld, was schon fast ein Meter hoch war (Winterweizen?). Robben haben wir ja zu Genuege gelernt und so machten wir ungesehen gute Fortschritte und konnten entkommen.

Die naechste Huerde war das Staedtchen Lambach, vom Ami besetzt und auch ein grosses Gefangenlager war dort in der Naehe, man hoerte nichts Gutes davon. Ein kleinerer Fluss musste ueberquert werden ueber eine Haengebruecke, dort sollten Wachtposten sein. Wir beschlossen einzeln rueber zu gehen, hatten Glueck, kein Ami zu sehen! Die lagen am Ufer in den Bueschen von wo wir auch das Kichern von Maedels hoerten. Naja, die haben nicht nur den Amis eine Freude gemacht, auch uns geholfen!

Nach einigen weiteren Kilometern machte ich schlapp, ging zurueck ins Dorf, zu den netten aelteren Ehepaar, das uns kurz vorher etwas Most zum trinken gegeben hat. Ueberhaupt waren die Einwohner dort immer sehr hilfreich und freundlich zu uns, den rueckkehrenden Soldaten. Ich wurde dort wie ein eigener Sohn behandelt, der,wie so viele andere noch vermisst war. Nach einigen Tagen mit Heilkraeuterpflege war ich wieder einigermassen auf den Beinen. Meine Uniform (verlauste) habe ich dann da lassen koennen und habe etwas Zivilzeug bekommen, unter anderem auch eine Trachtenjacke, die ich heute noch besitze als Andenken. Auch einen hoelzernen Rechen bekam ich zur Tarnung, sah dann so richtig aus wie ein einheimischer Bauernjunge,was mich bis meine Heimatstadt Braunschweig durchgebracht hat.

Es gab noch einige heikle Zwischenfaelle, wurde mehrmals angehalten wegen Ausweis, aber immer war meine Aufmachung die Rettung. Fragte mich doch in einem Dorf ein Ami-Offizier wo er Eier bekommen koennte und ich zeigte dann auf den naechsten Bauernhof. In Niederbayern bin ich dann drei Wochen auf einem kleinen Bauernhof geblieben und habe dort bei der Arbeit ausgeholfen, schliesslich bin ich doch Gaertner von Beruf. Die Frau des Hofes musste mit zwei Kindern alles alleine bewirtschaften, die fremden Hilfsarbeiter waren alle weg. Gluecklicherweise kam auch der Hausherr heile zurueck von der Ostfront.

Wir hoerten dann, dass in einem nahe gelegenden Kloster ehem. KZ’ler untergebracht waren und die dort einige Waffen-SS Soldaten nahe zu Tode schlugen. Es wurde daraufhin beschlossen, besser sich zu verkruemeln, denn die Blutgruppe unterm Arm war ja noch da.

Werner Fischer

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3 responses to Werner Fischer: Robben haben wir ja zur Genüge gelernt (Teil 6)

  1. Sehr gut geschrieben! Danke für die kontinuierliche *Unterhaltung* und Berichterstattung…

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  2. Herr Fischer, vielen Dank für Ihre aufschlußreichen Berichte. Wenn sie sagen

    Zitat:
    “Die naechste Huerde war das Staedtchen Lambach, vom Ami besetzt und auch ein grosses Gefangenlager war dort in der Naehe, man hoerte nichts Gutes davon.”,

    was hörte man im Detail von diesem Gefangenenlager, können Sie sich vielleicht noch daran erinnern?

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  3. Es freut mich,dass meine Erlebnisberichte solch guten Anklank gefunden haben und ich bedanke mich auch recht sehr dafuer. Leider kann ich Ihnen Herr Schneider nicht mit Details ueber das Lager in Lambach helfen.Bei unserer Annaeherung des Ortes wurden wir von einem Einwohner gewarnt uns nicht erwischen zu lassen,denn die Behandlung,speziell den Waffen-SS Soldaten gegenueber,waere sehr schlecht,Schlaege und kaum etwas zu Essen.Vielleicht sind noch einige Kameraden am Leben und koennen davon berichten.Vor einigen Jahren habe ich mal irgendwo gelesen,dass einige Skeletons dort gefunden wurden,warscheinlich von jungen Soldaten.Leider wird so etwas immer vertuscht und auch nicht weiter untersucht,sind ja auch nur Deutsche,sogar noch die boesen Nazis.

    Mit Gruss

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