Niedrigste Arbeitslosenzahlen seit 18 Jahren

Jeden Monat erreichen uns neue Erfolgsmeldungen von der Aufschwungsfront: Die Exporte explodieren, die Löhne steigen und die Arbeitslosenzahlen sind auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Das sagen zumindest die Medien und die Politik, denn an den Bürgern ist dieser Aufschwung bislang vorbeigegangen. Da kann die Bundesregierung noch so viele Statistiken fälschen und die Medien diese unkritisch wiederkäuen. Das ist übrigens genauso wie im Mai 1945 als der Volksempfänger noch laut vom Endsieg tönte, während die Amis und die Russen schon vor Berlin standen. Jeder konnte mit eigenen Augen sehen, daß da ein große Diskrepanz zwischen staatlicher Propaganda und der Realität bestand – genau wie jetzt.

Ja, wir haben weniger als 3 Millionen Arbeitslose, aber dafür knapp 6 Millionen “Leistungsempfänger” (Quelle), was schlichtweg bedeutet, daß die Differenz von etwa 3 Millionen mit Taschenspielertricks aus der Statistik herausgelogen wurden. Wer als nicht vermittelbar gilt taucht beispielsweise ebensowenig auf wie die über 300.000 Menschen in sogenannten Fortbildunsmaßnahmen.

Von den vielgepriesenen Lohnerhöhungen haben auch die etwa 1,4 Millionen Menschen, die trotz unterhalb der Armutsgrenze leben genausowenig mitbekommen wie der Rest Deutschlands. Gehaltserhöhungen gab es nämlich vornehmlich bei den Großverdienern in den Vorständen. Wenn so ein Vorstandschef nämlich statt bisher 5 Millionen pro Jahr nunmehr 10 Millionen pro Jahr bekommt, dann wiegt das statistisch genausoviel wie wenn 10.000 Arbeiter je 500 Euro pro Jahr mehr bekommen. Bei etwa 10 Vorstandsmitgliedern wiegt so eine kleine Gehaltserhöhung dann schon so viel wie bei 100.000 Arbeitern.

Ja, der Aufschwung ist angekommen, und zwar in den Chefetagen und der Politik, aber sonst nirgends. Aber warum sollten sich die da oben auch einschränken, wenn die 80 Millionen Menschen darunter doch scheinbar mit ihrer Situation zufrieden genug sind sich nicht aufzulehnen.

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19 Kommentare zu “Niedrigste Arbeitslosenzahlen seit 18 Jahren”

  1. dafür stehen sagt:

    Wir können nur hoffen, dass diese Parasiten bald aus unserem Leben und unserem Land verschwinden werden.

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  2. Magna Germania sagt:

    Na nun, an irgendeiner Stelle müssen die “vielen Millionen” Leute ja auch mal wieder weggedichtet werden ;-)

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  3. Jens N. sagt:

    Selbst in Systemblättern, wie “Spiegel online” wird der “merkelhafte Aufschwung”(Lieblingszitat von Michael Winkler) infrage gestellt. In dem heute erschienenen Bericht wird die reale Zahl der Arbeitslosen mit ca 5 mio. angegeben. Doch auch diese Zahl ist noch geschönt, wenn man einen Blick hinter die Kulissen wirft. In dieser Statistik sind nämlich Harz 4- Empfänger auch nicht aufgezählt.

    Das 400 Euro- Jobber, Aufstocker, Arbeitslose in Qualifizierungsmassnahmen, Menschen über 58 Jahre, 1 Euro- Jobber nicht in der Arbeitslosen- Statistik auftauchen, sollte bekannt sein. Fairerweise werden diese zumindest teilweise aufgezählt.
    Die Zahl der Zeitarbeitnehmer bewegt sich auf die Millionenmarke zu und der Verdienst ist zumindest bei den meisten von Ihnen so schlecht, das Ursula von der Leyen die Schamesröte ins Gesicht schiessen sollte, ebenso wie Herrn Brüderle und dem viel zu engen Hosenanzug Merkel. Selbstvertändlich wissen sie, das ihre Worte genausoviel Wahrheit enthalten, wie Brüderle Haare auf dem Kopf hat – nämlich sehr wenig.

    Der schlichte Grund ist einfach der, das Regierung und Parteien glauben, dem Wähler die Wahrheit nicht zumuten zu können und schlimmer noch, das sie glauben, wir würden ihnen die Lügenmeldungen abkaufen. Das tut aber niemand, egal wen ich spreche!

    Egal von welchem Standpunkt aus man die Sache betrachtet, man kommt nicht drumherum, die Globalisierung als das Hauptübel zu erkennen.
    Die Abwanderung grosser deutscher Firmen in Niedriglohnländer, die Ansiedlung von Globalplayern mit ihrer zu deutsch “heuer und feuer – Mentalität” und der Beschäftigung von Leiharbeitern, sind nicht das, was Sicherheit und dauerhafte, vernünftige Arbeitsplätze schafft.

    Daher ist es auch eine Lüge zu behaupten, das z.B. Textilien in Fernost hergestellt werden müssen, da sie sonst für uns zu teuer wären.
    Erstens, beweisen Firmen wie Trigema genau das Gegenteil(produzieren und verkaufen in Deutschland). Die Sachen dort haben gute Qualität und sind nicht teurer, sogar fast etwas günstiger als China- Importe.

    Und zweitens, sind gerade auch die angeblichen “Markenwaren made in China” mit am teuersten. Oder ist jemand der Meinung, ein T- Hemd 100% Baumwolle, ist 100 DM wert? Pardon, 51,15 Euro natürlich…Der billigste Ramsch teiweise, aber die Unternehmen S-Oliver, Diesel, G- Star usw.. machen dabei ordentlich Gewinne.

    Globalisierung schafft keine Arbeit, sondern Probleme, da sie den deutschen Arbeiter in weltweite Konkurrenz mit Lohn- Sklaven setzt, die einen Toyota für einen Teller Reis am Tag und Unterkunft in Arbeitersilos bauen.
    Der Abbau von Handelsbarrieren, der zügellose Handel mit Menschen und Waren, immer mit dem Ziel, das Maximum an Gewinn herauszuholen, ist das eigendliche Gift.

    Es gab vor rund 70 Jahren einmal eine deutsche Regierung, der genau diesem Irrsinn Einhalt gebieten wollte. Eine Regierung, die den regionalen Handel fördern wollte, bei gleichzeitiger Herauslösung der deutschen Wirtschaftskraft aus dem internationalen Finanzsystem. Was ja nach W. Churchill, das “grösste Verbrechen” (Zitat) gewesen sein soll. Das wäre auch heute ein System, welches Deutschland gut zu Gesicht stünde, ein gewisses Klientel allerdings, möchte dafür sorgen, das alles beim alten bleibt.

    Zu guter Letzt, es gibt eine Seite die sich “Ja zu Deutschland” nennt. Dort sind ausschliesslich Firmen vertreten, die hier produzieren. Von Werkzeugen, über Kleidung un vieles mehr. Anschauen lohnt sich auf jeden Fall!

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  4. forstamt sagt:

    … in uns selbst allein liegt die Zukunft des deutschen Volkes…

    Diese Worte eines Staatsmannes, dem ist nichts hinzuzufügen.

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  5. Jens N. sagt:

    @forstamt

    Dieses System, was damals wirtschaftlich so erfolgreich war (und heute auch wäre) wurde ja nicht umsonst von den judengelenkten Staaten dieser Welt bekämpft. Die J- Mischpoke erklärte kurz nach Hitlers Machtergreifung dem heiligen deutschen Reich den Krieg! So ist es.

    Höre gerade, das Bundesferkel wird von der Springerpresse wieder in den höchsten Tönen gelobt, sie hätte auf dem Eu- Gipfel “einen Punktsieg” (Zitat w.o) errungen.

    Wenn Merkel laut Presse einen Sieg erlangt, ist das immer eine Niederlage Deutschlands und ein Zeichen für einen neuen Akt des Verrat ihrerseits.

    und ja, der Staatsmann hat natürlich Recht!!!

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  6. forstamt sagt:

    @ Jens N.:

    ich finde es recht traurig, ältere Arbeitskollegen aufklären zu müssen, daß die Zahl von 2,95 Millionen nur Propaganda ist, wie alles in diesem Land.

    Aber Schritt für Schritt ist es mir möglich, die Augen derer, anhand von Fakten zu öffnen.

    Springer macht sein Ding, letztendlich dreht sich alles nur, um´s Geld verdienen.

    Vor vielen, vielen Jahren hörte ich von dem Spruch: “Kein Kommentar an die jüdische Presse”

    Ob dieser Ausdruck in Mitteldeutschland oder im 3.Reich entstanden, ist mir nicht bekannt.

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  7. forstamt sagt:

    @ dafür stehen:
    28. Oktober 2010 um 08:06

    “Wir können nur hoffen, dass diese Parasiten bald aus unserem Leben und unserem Land verschwinden werden.”

    —————————————————–

    Wer hofft, hat schon verloren und “dafür stehen” umso mehr!

    Die Hoffnung allein, wird keinem Säugling die Windel wechseln!

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  8. deutscher Bürger sagt:

    @Jens N,
    du sprichst in Bezug auf Politiker von Schamesröte welche ihnen ins Gesicht schießen sollte. Bist Du nicht auch der Meinung daß dies eine unerfüllbare Forderung ist? Tugenden die man einem aufrichtigen und ehrlichen Menschen nachsagt sind für unsere Politverbrecher, zu denen auch Richter und Staatsanwälte zählen, nicht hur Fremdwörter für sie gibt es keine Sprache in der auch nur andeutungsweise diese menschliche Anstandsregeln als Begriffe existieren.
    Die Zeit über sie zu lamentieren ist verlorene Zeit. Der einzige Zeitaufwand wäre daß wir sie um den Hals in Laternenhöhe in die Seile schaften. Man schaue sich die beiden Videos an und man erkennt wie sehr die Zeit drückt.
    Staat- Recht= Mafia: Pfof. Dr. Hans Joachim Selenz
    http://www.youtube.com/watch?v=Sb06eaFp8kY
    http://www.youtube.com/watch?v=Jow2OPf_H7c

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  9. Herr Soundso sagt:

    Wenn Merkel laut Presse einen Sieg erlangt, ist das immer eine Niederlage Deutschlands und ein Zeichen für einen neuen Akt des Verrat ihrerseits.

    Tja, das Merkel ist eben das genaue Gegenteil von dem, der sagte:

    “Im Übrigen gestehe ich ganz offen: Ich finde es immer noch erträglicher, von jemand beschimpft zu werden, der mich nicht ausplündern kann, als von jemand ausgeplündert zu werden, der mich dafür lobt.”

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  10. forstamt sagt:

    @ Herr Soundso:

    na, da hat Herr soundso seine Hausaufgaben aber gemacht.

    12.09.1938

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  11. forstamt sagt:

    @ Herr Soundso:

    das hättest Du auch schon früher mitteilen sollen, du “Knalltüte”!

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  12. forstamt sagt:

    Wenn ich “böse schreiben” sollte, dann nur zu Freunden

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  13. 2martinhe sagt:

    Untergang einer Industrie Branche:

    Sulzer-Drama
    Der letzte Akt
    Die Webmaschinen waren der Stolz des Konzerns – bis verblendete Manager die Regie übernahmen
    Von René Staubli

    Die Wut könnte einen packen. In diesen Tagen verkauft der Sulzer-Konzern sein traditionsreiches Textilmaschinengeschäft ins Ausland. Eines der stolzesten Kapitel der schweizerischen Maschinenindustrie geht in aller Stille zu Ende. Dabei war dieAbteilung Webmaschinen bis 1982 die Renditeperle des Winterthurer Unternehmens. Doch dann stürzten namhafte Manager den Weltmarktleader in eine endlose Krise. Warum kann Sulzer dieses Geschäft nicht weiterführen? Wer drängte den Konzern derart in die Defensive?

    1. Die geniale Erfindung

    Vom Bahnhof Solothurn bis zum Sulzer-Areal in Zuchwil sind es zu Fuss keine zwanzig Minuten. Wer verstehen will, was mit Sulzer geschehen ist, sollte einen Abstecher ins ehemalige Personalrestaurant machen. Dort mottet eine ausrangierte TW11 mit der Seriennummer 362 vor sich hin. Die Bezeichnung TW11 steht für den elften Prototyp der revolutionären Sulzer-Projektilwebmaschine aus den dreissiger Jahren, die nach einer Idee des deutschen Erfinders Rudolf Rossmann gebaut wurde. Während in den herkömmlichen Schützen-Webstühlen ein «Schiffchen» hin- und hergeschlagen wird, das den Faden samt Spule enthält, zieht bei der Projektilmaschine ein Metallgeschoss lediglich den Faden hinter sich her, was die Webleistung beträchtlich erhöht. Der technologische Quantensprung von der Schützen- zur Projektilmaschine bescherte Sulzer die Weltmarktführerschaft.

    Um die Projektilmaschine in Serie bauen zu können, kaufte Sulzer 1950 die Gebäude und Einrichtungen der ehemaligen Waffenfabrik Solothurn in Zuchwil. Seit dem Ersten Weltkrieg waren dort Munitionsbestandteile, Wecker und später (in deutschem und italienischem Auftrag) Gewehrpatronen, Maschinenpistolen und Kanonen hergestellt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Kriegsgeräte-Produktion unter dem Druck der Alliierten aufgegeben werden. Die Tatsache, dass in der Region reichlich Spezialisten vorhanden waren, die Metall präzise zu bearbeiten wussten, bewog Sulzer dazu, sich in Zuchwil niederzulassen.

    Die erste Serie lief 1953 vom Band. 1965 wurde die zehntausendste Maschine hergestellt, 1986 bereits die hunderttausendste (siehe Foto), im Jahr 2000 die hundertvierzigtausendste. Mittlerweile hat der Zähler die hundertfünfzigste Tausendermarke übersprungen, und die Produktion geht kontinuierlich weiter. In Schwellenländern stehen Exemplare aus der ersten Serie, die ihren Dienst nach wie vor versehen. Die meisten Sulzer-Projektilmaschinen, die in über 120 Staaten ausgeliefert wurden, laufen im Vierschichtbetrieb 24 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr, nur unterbrochen von Service und Umrüstung. Die Russen kauften eine Anzahl Maschinen, um sie zu kopieren und in ihren Satellitenstaaten zu vertreiben. Die Chinesen fertigen sie noch immer in Lizenz. Rund die Hälfte aller Jeans-Stoffe werden heute auf ihr gewoben. Allein die ehrwürdige TW11 mit der Nummer 362 hat in 35 Jahren zweieinhalb Millionen Quadratmeter Stoff produziert. Mit dem verwendeten Schussgarn, verrät eine Erinnerungsplakette, könnte man die Erde 115 000-mal umwickeln.

    Die Projektilmaschine war stets eine Cashcow im Hause Sulzer. In den besten Zeiten spülte sie jährlich mehr als hundert Millionen Franken Nettogewinn in die Kasse. Das hochrentable Ersatzteilgeschäft mit 120 000 Artikeln warf auch in Krisenzeiten pro Jahr nie weniger als fünfzig Millionen Franken Profit ab. Von den knapp 2000 Beschäftigten bei Sulzer Textil Schweiz arbeiten heute 1600 ausschliesslich für die Herstellung und den Ersatzteildienst der fünfzigjährigen Projektilmaschine, die ständig weiterentwickelt wurde. Sie steht für Sulzer-Qualität, Service und Schweizer Präzision.

    2. «Nur über meine Leiche»

    1982 wurde Sulzer aus dem Paradies vertrieben. Ein tragisches Ereignis spielte dabei eine wichtige Rolle: Verkaufschef Rudolf Leutert, einer der drei Väter der P-Erfolgsstory, kam bei einem Autounfall ums Leben. In jenen Monaten hatte das Sulzer-Management intensiv über einen Zusammenschluss mit der Maschinenfabrik Rüti ZH diskutiert, die mit ihrer Luftdüsenwebmaschine die Projektilmaschine von Sulzer im Markt hart bedrängte. Leutert stand der Luftdüseneuphorie skeptisch gegenüber und sprach sich kategorisch gegen ein Zusammengehen mit Rüti aus: «Nur über meine Leiche.» Nach seinem Unfall kam die Übernahme zustande.

    Die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) hatte ihre Finger tief in dieser Sache drin. Sie war zugleich Hausbank von Sulzer, Saurer und der Maschinenfabrik Rüti, die damals zum Georg-Fischer-Konzern gehörte. Die SBG drängte auf einen Zusammenschluss der drei Schweizer Konkurrenten, wohl auch deshalb, weil sie um ihre Kredite fürchtete. Sulzer konnte zwischen Saurer und der Maschinenfabrik Rüti auswählen. Für Rüti sprach, dass die Firma das Patent für die Luftdüsenmaschine besass. Der damalige Chef in Rüti, Konrad Lienhard, sowie sein Finanzchef Alex Bernet bekräftigen, die Firma habe zum Zeitpunkt der Übernahme pro-speriert: «Wir hatten keine Finanzprobleme.» Recherchen zeigen aber, dass in jener Zeit grosse Summen für Garantie- und Nachrüstarbeiten bei Kunden aufgewendet werden mussten. Ausserdem warf die Rüti-Greiferwebmaschine (der dritte Typ neben der Projektil- und der Luftdüsenmaschine) seit Jahren keinen Profit mehr ab. Die finanzielle Situation war ziemlich desolat.

    Dass Sulzer die Maschinenfabrik Rüti schliesslich samt Gebäuden und riesigen Landreserven für bescheidene dreissig Millionen Franken übernehmen konnte, ist ein deutlicher Hinweis auf die Leichen im Keller. Die Sulzer-Manager unter Konzernchef Pierre Borgeaud rieben sich dennoch die Hände. Sie glaubten, sie hätten sich für ein Butterbrot eine zukunftsweisende Technologie und die Marktführerschaft gekauft. Unter der Leitung des neuen Abteilungsleiters Fritz Fahrni spielten sich die Sulzer-Chefs als Eroberer auf, so dass gute Leute absprangen, wie Betroffene erzählen: «Fahrni verstand es nicht, ein Team zu bilden, mit dem man Pferde stehlen konnte.» Umso grösser war der Schock, als Fahrnis Leute realisierten, dass die japanische Konkurrenz der Rüti-Luftdüsenmaschine im Markt überlegen war. «Wir wollten sie billiger und schneller machen», räumt der damalige Rüti-Chef Lienhard ein, «das Zweite gelang uns, das Erste nicht.» So wurde die Maschinenfabrik Rüti für Sulzer nicht zum erhofften goldenen Los, sondern zum Mühlstein am Hals.

    3. Gesichtsverlust in Japan

    Nun schlug die Stunde des begeisterten Ingenieurs Fahrni, der vom Textilgeschäft allerdings nicht allzu viel verstand. Er entschied, für fünfzig Millionen Franken die beste Luftdüsenmaschine der Welt zu konstruieren, die L5100. Sie sollte Sulzer die Weltmarktführerschaft zurückbringen und zugleich die vermeintlich veraltete Projektilmaschine ersetzen. In Zuchwil installierte Fahrni für rund 300 Millionen Franken neue Fertigungsstrassen mit dem Ziel, von allen Maschinentypen Teilefamilien zu bilden und rationell in Grossserien herzustellen. Doch der rückläufige, immer härter umkämpfte Markt konnte so viele Maschinen gar nicht aufnehmen; zudem misslangen Rationalisierungsschritte. Die hohen Fixkosten entwickelten sich angesichts des geringen Ausstosses zu einer Zeitbombe, zumal der Markt die neue L5100 nur widerwillig akzeptierte. Als Fahrni 1988 zum Konzernchef aufstieg und Borgeaud zum Präsidenten, brannte die Lunte bereits lichterloh. Doch die Explosion erfolgte erst unter Fahrnis Nachfolger Hans Jäger, einem Kumpel aus dem Militär: 1991 schrieb die Webmaschinenabteilung 150 Millionen Franken Verlust – obwohl die Projektilmaschine und das Ersatzteilgeschäft wie gewohnt einen zweistelligen Millionenprofit einspielten.

    Jäger büsste aber nicht nur für Fahrnis grosszügige Investitionen. Wie sein Vorgänger schaffte er es in Rüti nicht, eine kostengünstige, marktfähige Luftdüsenmaschine zu konzipieren. Die Sulzer-Manager sahen sich deshalb gezwungen, die japanische Firma Toyoda um Hilfe zu bitten, mit der man bereits Joint Ventures bei der Projektilmaschine unterhielt. Die Zusammenarbeit kam zustande. Die Japaner bauten nun die neue L5200 in ihren eigenen Werkstätten und vertrieben sie zugleich im Osten. Sulzer sah sich zum Verkaufsagenten im Westen degradiert. Toyoda diktierte die Verkaufspreise und nahm dabei keine Rücksicht auf die ungünstige Kostenstruktur des Winterthurer Konzerns, der darob in immer grössere Schwierigkeiten geriet.

    Wie wenig Respekt die Sulzer-Manager genossen, zeigt ein Vorfall anlässlich der Maschinenausstellung Otemas 1989 im japanischen Osaka. Der gleichnamige Patron von Toyoda, Präsident der Japan Textile Machinery Association, lud die Messeteilnehmer aus aller Welt zu einem Galaempfang ins «Royal-Hotel», darunter auch die Sulzer-Delegation. Beobachter schildern, wie Toyoda mit seinen Bewegungen und seiner Körperhaltung klares Unbehagen gegenüber den Schweizern signalisierte. Das ist aussergewöhnlich, denn Höflichkeit geht den Japanern über alles. Offensichtlich störte Toyoda die Arroganz der Sulzer-Manager, die tatsächlich merkwürdige Blüten trieb: In der eigenen Hauszeitung lobte Jäger nach dem Besuch der Otemas, man habe sich «nicht in die Reihe der Show-Aussteller gefügt», sondern «ausgesprochene Spezialitäten anspruchsvollster Webtechnologie gezeigt». Das grosse Interesse der Kunden beweise, dass auf dem Weltmarkt «nicht maximale Tourenzahl, sondern Spitzenleistungen in Qualität und Zuverlässigkeit entscheidend sind». Der Riesenverlust von 1991 in Höhe von 150 Millionen Franken strafte Jägers Worte allerdings Lügen. Oberst Fahrni schob seinen Adjutanten auf einen andern Posten ab und machte Helmut Pirchl, den Leiter von Sulzer-Escher Wyss, zum neuen Chef von Sulzer Rüti.

    4. Im Jumbo über die Alpen

    Pirchl hatte wie seine Vorgänger für das solideste Pferd im eigenen Stall nur wenig übrig. Er mäkelte: «Wie konnte sich Sulzer so lange an die Projektilwebmaschine klammern, wo doch in aller Welt der Vormarsch der Lufttechnologie sichtbar war?» Weil man die Fabrikation der Luftmaschine in der Not an die Japaner abgetreten hatte, blieb Pirchl als Experimentierfeld nur noch die Greifertechnologie (hier bringt der eine Greifer den Faden zur Mitte der Stoffbahn, wo ihn der andere übernimmt). Und siehe da: Pirchl liess den modernsten, von Mikroprozessoren gesteuerten Greifertyp der Welt konstruieren. Die Maschine war genial, ein echter Rolls-Royce, aber viel zu teuer und deshalb ein Flop. Also übernahm Sulzer 1998 die Firma Novo Pignone in Italien, um doch noch einen marktgerechten Greifer ins Sortiment zu bekommen.

    Seit 1983 hat der Sulzer-Konzern nach Schätzungen von Experten im Textilmaschinengeschäft mehr als eine Milliarde Franken «verbrannt»; Tausende von Stellen wurden gestrichen. Fünf Generaldirektoren, allesamt branchenfremd, hatten eines gemeinsam: Sie verwendeten die soliden Gewinne des Projektilmaschinen- und des Ersatzteilgeschäfts, um während zwanzig Jahren Maschinen zu subventionieren, nach denen der Markt gar nicht verlangte. Borgeaud, Fahrni & Co. sind weg, aber die Projektilmaschine ist immer noch da. Bei seinem Abgang brachte Pirchl das Hauptproblem von Sulzer auf den Punkt: «Sie können nicht in Samedan zwischenlanden, wenn Sie am Steuerknüppel eines Jumbos sitzen und über den Alpen ein Problem bekommen. Das Flugzeug ist nicht dazu geeignet, und man muss schauen, dass man es wenigstens noch bis Zürich schafft.» Pirchl stieg bereits über den Voralpen mit dem Fallschirm aus und entschwebte, so das Firmencommuniqué, «in den wohlverdienten Ruhestand».

    5. Das Erbe

    Am vergangenen Freitag haben im Werk von Sulzer in Zuchwil die Ferien begonnen. So erfahren die Beschäftigten per Post, an wen sie verkauft worden sind. Bei Redaktionsschluss deutete vieles darauf hin, dass Sulzer Textil an den kleineren belgischen Konkurrenten Picanol geht. Die Familiengesellschaft wurde 1936 von Charles Steverlynck gegründet und kam 1968 an die Börse. Im vergangenen Jahr erzielte Picanol bei einem Umsatz von rund 500 Millionen Franken 11,5 Millionen Gewinn. Beobachter führen den Erfolg der Firma darauf zurück, dass sie in all den Jahren «schlicht die besseren Manager hatte als Sulzer». Beim zweiten Interessenten handelt es sich um die italienische Radici-Gruppe. Unter ihrem Dach befinden sich die Firmen Nuova Vamatex, Somet und Savio, die Greifer-, Luft- und Spinnereimaschinen produzieren. Die Gruppo Radici ist überwiegend im Kunststoffgeschäft tätig und setzte 1999 mit 5300 Beschäftigten weltweit 2,2 Milliarden Franken um.

    Mit Sulzer Textil erhält der Käufer die Projektilmaschine, das lukrative Ersatzteilgeschäft sowie eine krisenerprobte, leistungswillige Belegschaft. Dazu die sagenumwobene Sulzer-Mehrphasenwebmaschine M8300, die 1995 bei der Premiere in Mailand wegen ihrer bislang unerreichten Leistungsfähigkeit als «Weltsensation» gepriesen wurde. Nur: Von der M8300 sind trotz euphorischer Ankündigung noch keine fünfzig Stück verkauft. Um den Beweis anzutreten, dass die Schweizer Ingenieurskunst trotz allem einzigartig ist, fehlen Sulzer nach zwanzigjährigem Krebsgang die finanziellen Mittel, der Wille und der unternehmerische Mut.

    Obwohl der Sulzer-Konzern – vom Umsatz her gesehen – bei den Webmaschinen noch immer Weltmarktleader ist, hat das Management für die einstige Paradesparte keine Verwendung mehr. Fred Kindle, Leiter des Industriebereichs, beurteilt den Webmaschinenmarkt als «vergleichsweise wenig attraktiv zu andern Möglichkeiten, die wir im Konzern haben». Das bescheidene Wachstum werde durch Produktivitätsfortschritte fortlaufend weggefressen, die Rendite sei ungenügend, die Konkurrenz zu gross. Den ehemaligen Managern von Sulzer Textil will Kindle keine Vorwürfe machen: «Vor zwanzig Jahren war die Welt noch gänzlich anders!»

    Vom Bahnhof Rüti im Zürcher Oberland bis zum Sulzer-Areal Joweid sind es nur ein paar Schritte. Wer den Niedergang von Sulzer Textil verstehen will, sollte eine Halle in der Nähe des Verwaltungsgebäudes aufsuchen. Dort stehen auf engem Raum Dutzende von Webmaschinen jeden Alters, darunter Bijoux’ wie ein Zürcher Handwebstuhl aus dem Jahr 1750 oder eine TW7 aus dem Jahr 1941, die älteste noch vorhandene Projektilmaschine von Sulzer. Der pensionierte Ingenieur Charles Karcher, der seit 1960 in Diensten der Firma steht, tut sein Möglichstes, um den Zerfall der Originale aufzuhalten. Der Sulzer-Konzern hat weder genug Geld noch Interesse, sein industrielles Erbe zu erhalten.

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  14. Charly W. sagt:

    Zur deutsche Vollbeschäftigung, eine Jubelmeldung wie aus der DDR, ja klar, bei der Führung!
    Tatsächlich wandern unsere besten Kräfte ins Ausland ab und stehen dem Arbeitsmarkt hier nicht mehr zur Verfügung. Ist das gewünscht? Viele Bekannte halten sich mit 400 € Jobs und Direktarbeit (auch gegen Naturalien!) über Wasser, diese sind natürlich voll beschäftigt, aber nur aus Not. (Beispiel Maler streicht Haus des KFZ-Meisters da sein Auto defekt ist!)
    Dazu kommen dann bei der Jubelstatistik allerlei Taschenspielertricks zu Anwendung die hier schon genannt wurden.
    Die unglaublichen Jubelmeldungen verärgern mittlerweile alle meine Bekannten sind sie doch so weit von der Realität entfernt. Wovon will man uns aktuell ablenken?

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  15. AK sagt:

    Zitat:…da sie den deutschen Arbeiter in weltweite Konkurrenz mit Lohn- Sklaven setzt, die einen Toyota für einen Teller Reis am Tag und Unterkunft in Arbeitersilos bauen.

    Selten so einen Blödsinn gelesen. Arbeiter bei Toyota haben weltweit die höchsten Löhne und die höchste Soziale Absicherung. In Japan verdient ein Fließbandarbeiter ca 5000€ netto(auch in Japan viel Geld). Außerdem beträgt der Anteil der Lohnkosten an einem durchschnittlichen Auto nur 5%. Was ich damit sagen will ist, das die Probleme ganz woanders liegen und den Hauptteil der Probleme hat uns ihre hochgepriesene Regierung von vor 70 Jahren eingebrockt.

    Was die Arbeitslosenzahlen angeht, haben sie natürlich Recht. Aber nicht in jedem Artikel müssen sie immer irgendwie auf die Regierung von 32-45 kommen. Klar wird viel gelogen was die Geschichte angeht, aber wer hat denn die Scheiße gebaut und meinte die ganze Welt in einer plumpen und dummen Art erobern zu wollen?

    Man muß einfach kapieren, das unsere heutigen Probleme, auch das Ausländer und Wirtschaftsproblem, ein Resultat der damaligen Idiotie ist.

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  16. das Schiff sinkt sagt:

    Die brd wird von Leuten verwaltet, die dem Teufel die Treue geschworen haben, aber nicht ihrem Volk.

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  17. Flandria sagt:

    @ dafür stehen:
    bei die Laterne wollen wir stehen, wie einst

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  18. Pete sagt:

    AK sagt:
    ” Klar wird viel gelogen was die Geschichte angeht, aber wer hat denn die Scheiße gebaut und meinte die ganze Welt in einer plumpen und dummen Art erobern zu wollen?

    Man muß einfach kapieren, das unsere heutigen Probleme, auch das Ausländer und Wirtschaftsproblem, ein Resultat der damaligen Idiotie ist.”

    Okeee…ee, das Resultat der damaligen Idiotrie!

    Wer die “ganze Welt” erobern wollte, plump und dumm dazu…
    wann und wer war das? habe da irgendwas in der Geschichte verpasst.

    Wer gar nicht plump und dumm schon seit Nebukadnezar die ganze Welt erobern wollte und sich diese als Fußstuhl gern vorstellte, hat da ziemlich viel Erfolg gehabt.

    Auch wenn nur Einige bisher mit richtigen Fesseln ausgestattet sind, und noch allgemeines so-so Wohlergehen bekannt ist, sehe ich z.B zwischen den Jahren 1970 und heute d.h. nur 40 Jahren einen Verfall in der BRD/DDR der markant ist.

    Deutschland ist zum Fußstuhl degradiert und nicht erst seit 1945.
    Interessant ist die Tatsache, dass sogar die Sieger die ein Deutschland nur mit einer riesigen Übermacht in die Knie zwingen konnten nun selbst zu diesem Fußstuhl verkommen sind.
    Ausgleichende Gerechtigkeit könnte man denken, nur die, die wirklichen Kosten tragen mussten, waren und sind nicht die Schuldigen.

    Die Schuldigen, die über Jahrtausende in den Lebensweisen ihrer Gastgeber recherchierten, ihre Denkweisen zu verstecken suchten und überall wie von diesem Kommentator erkannt, von “Leuten verwaltet (werden), die dem Teufel die Treue geschworen haben, aber nicht ihrem Volk” sollten Fokus deiner Betrachtungen werden.
    Klar zu erkennen, nur erfordert es, den Schleier der (politisch korrekten)Umerziehung abzuschütteln.

    Daran hapert es lieber Kamerad.

    Ein Führer der mit limitierten Mitteln den Versuch aus dieser Einkreisung heraus zu entkommen versucht, ist mir lieber, als eine Linie von Führern die die deutschen Misere willentlich, unbarmherzig und verräterisch weiter geführt haben.

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  19. Als Friseurin oder Handwerker kann man sich noch gutes Geld nebenbei verdienen was mir als Angestellte wo Akten wälzt nicht möglich ist ich muß auf Jobs wie kellnern oder putzjobs zurückgreifen

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