Stern: So teuer käme uns der Ausschluß Griechenlands

Liest man in den Massenmedien die Artikel zum Euro und insbesondere zur Griechenland-Pleite, könnte man meinen die Wirtschaftsexperten in den Redaktionsstuben wären allesamt in Urlaub und die Praktikanten mit Leistungskurs in Biologie würden Zellmembrantheorie auf Quantenphysik übertragen wollen und das dann auf Griechenland anwenden. Was man liest widerspricht nämlich nur ökonomischen Gesetzmäßigkeiten sondern auch schlichtweg dem gesunden Menschenverstand. Dafür gibt es reißerische Schlagzeilen vom Ende der Welt, die im eigentlichen Artikel mit “hätte”, “wäre”, “könnte” begründet werden.

Unter dem Titel “So teuer würde der Griechen-Rauswurf” will uns etwa der Stern einreden, daß uns Deutschen der Rauswurf Griechenlands teuer zu stehen käme. Im Artikel wird das damit begründet, daß eine Depression die Folge sein “könnte”, denn sicher ist man sich nicht, es könnte auch einen Aufschwung geben, aber das sagt der Stern lieber nicht. Außerdem meint der Stern, würde Deutschland ja von der Krise profitieren, weil Deutschland zu einem Zinssatz x Schulden aufgenommen hat und diese zu einem höheren Zinssatz y an Griechenland weitergegeben hat. Ja, das ist genauso profitabl wie Glücksspiel. Wenn man sich bei der Bank 10.000 Euro leiht um im Kasino 100.000 Euro gewinnen, ist das nur solange schön und gut wie man auch gewinnt. Wobei Griechenland der Automat ist, in den man zwar immer mehr Geld reinschmeißt aber nichts rausbekommt. Am Ende hat man dann 10.000 Euro Schulden plus Zinsen. Aber auch das sagt der Stern freilich nicht.

In der makroökonomischen Theorie sieht es vielmehr so aus, daß die Sorge um eine Pleite Griechenlands oder die Sorge um eine Kettenreaktion aufgrund der Überschuldung anderer Länder zur Rettung Griechenlands Investitionen hemmt. Das hat nichts mit einem von Massenmedien immer wieder herbeigeredeten Bankenkollaps zu tun, sondern damit, daß nur investiert wird, wenn die voraussichtliche Rendite stimmt. Wenn der Risikoaufschlag aber höher als die zu erwartende Rendite ist, wird nicht investiert. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn zum Marktrisiko noch das Inflationsrisiko hinzukommt, das sich durch jede weitere Rettung Griechenlands immer weiter erhöht. Insofern kann nur der Ausschluß Griechenlands aus dem Euro als schwächstem Glied dieser Kette die Risiken minimieren und somit zu Investitionen anreizen und Arbeitsplätze schaffen. Diese Rechnung kann eigentlich jeder anstellen, der einen fortgeschrittenen Kurs in Makroökonomie oder Finanzierung belegt hat, aber wenn selbst der Wirtschaftsminister sowas nicht weiß, warum sollte es in den Redaktionsstuben anders sein.

Laut dem Stern soll uns der Euro in den letzten Jahren übrigens ein Wirtschaftswachstum von 2,5% beschert haben. Selbst bei einer überaus konservativ geschätzten Aufwertung der D-Mark um zehn Prozent, ergäbe dies einen reellen Verlust von 7,5% durch den Euro, aber dazu bedarf es freilich Grundschulmathematik, also erwarten wir auch in diesem Bereich nicht allzu viel Erkenntnisgewinn in den hohen Häusern dieser Republik.

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7 Kommentare zu “Stern: So teuer käme uns der Ausschluß Griechenlands”

  1. Puttfarken sagt:

    Das in den Redaktionen immer mehr Idioten sitzen, die nur noch von anderen Kollegen abschmieren können oder kritiklos DPA-Meldungen übernehmen ist doch ein alter Hut. Ich kenne Chefredakteure, die noch nie etwas von der Feindstaatenklausel in der UNO-Charta gehört haben bzw. dann von Verschwörungsthorien sprechen. Der Gehaltscheck vom Verleger ist das einzige Ziel und der Großteil der Leser sind leider gläubig dumm.

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  2. Flandria sagt:

    Es ist bemerkenswert wie veränderte Umstände Meinungen ändern können, nehmen wir der Kehrwendung der Pariser Moniteur in 1815.
    Am 3. März lesen wir: das Monster ist entkommen!
    Einige Tagen später: der Menschenfresser landet in Marseille.
    Dann folgt: Bonaparte drängt auf.
    Wieder etwa später: Bonaparte in der nähe von Paris
    Und als letzte am 20. März: seine Majestät der Kaiser in Fontainebleu.

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  3. Herr Soundso sagt:

    Außerdem meint der Stern, würde Deutschland ja von der Krise profitieren, weil Deutschland zu einem Zinssatz x Schulden aufgenommen hat und diese zu einem höheren Zinssatz y an Griechenland weitergegeben hat. Ja, das ist genauso profitabl wie Glücksspiel

    Nein, das ist genauso profitabel wie ein Schneeballsystem. Denn genau darum handelt es sich und deshalb versucht man auch krampfhaft, den unvermeidlichen Zusammenbruch zu verhindern bzw. hinauszuzögern. Ganz genau so, wie ein Späteinsteiger in einem Schneeballsystem versucht, so viele Leute wie möglich mit hineinzuziehen, um seinen Verlust wieder auszugleichen. Der einzige Gewinner ist und bleibt der, der an der Spitze der Pyramide sitzt. Und wer ist das?

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  4. Herr Soundso sagt:

    Heißt das “Schneeballsystem”? Oder war es etwa “Pyramidenschema”? Aber ihr wißt, was ich meine, oder?

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  5. Flandria sagt:

    Das Griechenland zwischen Samber und Maas hat am 11. Juli gesprochen aus dem Munde von Journalistin Béatrice Delvaux in “Le Soir”. “L´Europe sera belge ou ne sera pas” (Europa soll belgisch sein oder nicht sein). Belgien ist ein Transferunion und ein Vorbild für Europa. Deutschland, Skandinavien, Niederland und Flandern mussen weiter zahlen, denn “Der Kampf gegen die flämisch-Nationalisten is ist auch einen heroischen Kampf für ein
    solidarisches Europa.”

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  6. Flandria sagt:

    Neu gelesen in “Le Soir”: wir, die Bedenkungen haben bei dem Euro und Union, sind “Fossoyeurs” Totengräber und Egoisten und vor allem Deutschland. Die Krise ist in Wirklichkeit mehr deutsch als griechisch, schreibt Maroun Labaki. Allerdings ist Deutschland mehr ein Teil des Problems als eine Lösung.
    Oder, wie man in die Hand beisst die einen füttert.

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  7. BRDigung sagt:

    @ Flandria:
    Und warum ist das so, weil die anderen Länder genau wissen, daß Sie das mit Deutschland machen können, weil wir eine Regierung von Speichelleckern haben, die jeden der gegen Deutschland ist, in den Arsch kriechen und wenn diese Regierung dann vor aller Welt vorgeführt wird, bedankt Sie sich auch noch artig!!!

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