Ordnungspolitischer Wahnsinn

Zitat Peter Plambeck in
Wirtschaft zwischen Nord- und Ostsee – IHK Schleswig-Holstein, Ausgabe 02/2013

Im Oktober lief es zum Schrecken der Stromverbraucher über den Nachrichtenticker: Die EEG-Umlage steigt zum Jahreswechsel um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde. Im Jahr 2012 betrug die EEG-Umlage lediglich 3,592 Cent/kWh.

Daten der Netzbetreiber erlauben die Prognose, dass die Stromverbraucher in diesem Jahr bis zu 19 Milliarden Euro in die EEG-Umlage zahlen. Diese Milliardenbeträge dienen im Kern der Förderung von Solar-, Biomasse- und Windkraftanlagen, die Vergütungszahlungen zwischen acht Cent/kWh und 41 Cent/kWh erhalten. Im Vergleich zum gegenwärtigen Börsenstrompreis um 4,5 Cent/kWh wird das Ausmaß der Überförderung aus der EEG-Umlage deutlich.

Nicht nur der Stromkunde wird zur Ökostromförderung gezwungen. Darüber hinaus wird der Steuerzahler indirekt in die Pflicht genommen, denn er haftet für die milliardenschwere Refinanzierung der KfW-Bankengruppe (Anmerkung des Verfassers: Kreditanstalt für den Wiederaufbau). Sie ist durch die Bundesregierung aufgefordert, zinsgünstige Förderkredite an die Ökostromanlagenbetreiber zu vergeben.

Beides löst den großen Run auf die grünen Fördermilliarden aus: Hausbesitzer und Kirchen pflastern ihre Dächer mit Solarzellen, auf deutschen Bauernhöfen wachsen die Biomasseanlagen wie Pilze aus dem Boden und die Landschaften werden mit Windrädern zugestellt. Das Angebot dieser geförderten Anlagen verdrängt die alten Kraftwerke, die Strom zum Börsenpreis lieferten. Opfer sind Energiekonzerne (Anmerkung d. Verf.: Da mußte ich allerdings herzhaft lachen) und die Stadtwerke.

Obwohl das EEG Rekordinvestitionen bei der Energieversorgung auslöst, fehlt es an Investitionen in neue Netze und Speicherkraftwerke. Es ist ein Drama, dass allein die Fördermilliarden die Investoren nach dem Gießkannenprinzip anlocken. Gleichzeitig ist der Strompreis seiner Funktion beraubt, die Investitionstätigkeit dorthin zu lenken, wo sie im Hinblick auf eine sichere und effiziente Stromproduktion am dringlichsten ist.

Auf der Seite der Verbraucher werden hingegen die energieintensiven Großunternehmen unter bestimmten Voraussetzungen im jährlichen Stromverbrauch von einer Million Kilowattstunden weitestgehend von der EEG-Umlage befreit. Am Beispiel der Futtermittelindustrie zeigt sich jedoch die wettbewerbsverzerrende Wirkung dieser Regelung. Das Unternehmen mit kleiner Produktionsanlage und einem Stromverbrauch bis zu einer Million kWh/Jahr zahlt die volle EEG-Umlage von 5,277 Cent/kWh. Das Unternehmen gleicher Branche mit großem Produktionsstandort, der beispielsweise acht Millionen kWh/Jahr verbraucht, zahlt hingegen durchschnittlich 1,12 Cent/kWh. Es empört, wenn Unternehmen allein wegen der geringeren Größe ihrer Produktionsanlagen durch den Gesetzgeber diskriminiert werden.

Mit ungewohnt viel Pathos sagte Angela Merkel in 2011: „Wir können als erstes Industrieland der Welt die Wende zum Zukunftsstrom schaffen.“ Doch verdient unser Industrieland eine überhastete Energiewende, die Bürger und Unternehmen in den ordnungspolitischen Wahnsinn treibt?

* * *

Willkommen im realen Faschismus kann ich dazu nur sagen, Mussolini wäre über dieses Beispiel zu seiner Definition des Faschismus begeistert gewesen. Merkels Wende zum Zukunftsstrom wird sich als Fiasko erweisen. Gemäß Publikationen des Bundesumweltministeriums ‘Erneuerbare Energien in Zahlen’ und ‘Erneuerbare Energien in Deutschland’ in 2012 (Quelle: IHK-Zeitschrift s.o.) belief sich der Endenergieverbrauch Deutschlands im Jahr 2011 auf knapp 2,5 Millionen Gigawattstunden, der Anteil der erneuerbaren Energien und der Biomasse betrug 12,5 % bzw. 8,4 %.

Bei der gesamten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien von 123,2 Terawattstunden trugen allein Windenergie (39,7 %) und Biomasse (29,9 %) über zwei Drittel der gesamten Produktion.

Mit rund 132 Terawattstunden deckte Biomasse 92 % der Wärme durch erneuerbare Energien ab.

22,9 Millarden Euro wurden in die regenerativen Energien investiert, 5 Millarden weniger als im Vorjahr. 15 Milliarden Euro gingen in den Ausbau der Photovoltaik, 2,88 Milliarden Euro in die Biomasse und 960 Millionen Euro in Geothermie.

Durch Energieerzeugung aus Biomasse wurde ein Umsatz von 6,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, durch Geothermie 0,7 Milliarden Euro und durch die Windenergie 1,38 Milliarden Euro. Photovoltaik brachte trotz der immensen Investitionen nur 1,01 Milliarden Euro ein.

Mein Wissensstand seit 2008 ist, daß dem Wirkungsgrad in der Photovoltaik physikalische Grenzen gesetzt sind, nämlich rd. 26 %, und da dürfte sich nicht allzuviel verbessert haben. Photovoltaik macht nach einer von mir selbst durchgeführten Untersuchung nur in Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung Sinn, und auch nur dann, wenn das Problem der Energiespeicherung gelöst ist. Deutschland gehört nicht zu den Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung. Es ist zwar richtig, daß eine Solaranlage auf dem Dach die laufenden Stromkosten drückt, aber wenn sich die Anschaffung ohne Subventionen erst nach 12 – 15 Jahren bezahlt macht (kaufmännisch sinnvoll sind m.E. maximal 8 Jahre), verkommt das ganze Stromsparprojekt zum Humbug.

Was das ganze Zahlenspiel zusätzlich völlig außer acht läßt, ist der Umstand, daß Atomstrom ca. 16% des Volumens im deutschen Gesamtverbrauch ausmacht. Der Artikel zeigt deutlich auf, daß das Bürgertum und der Mittelstand die erforderlichen Geldmittel aufbringen müssen, um eine ehrgeizige, um nicht zu sagen völlig über’s Knie gebrochene Idee, mittels Subventionen gegen jede Vernunft durchzuboxen. Im Hinblick auf die akuten Zahlen die Atomkraftwerke abzuschalten bedeutet ein stromversorgungstechnisches Harakiri. Frankreich wird sich glücklich schätzen, die absehbaren Stromengpässe in deutscher Stromproduktion gegen ordentlich viel Euro auszugleichen. Vattenfall, E.On, RWE und Co. werden schon dafür sorgen, daß die erneuerbaren Energien ihrem Einfluß unterliegen, und die Hochfinanz ist in ihrem Krieg gegen die deutsche Wirtschaftskraft einen entscheidenden Schritt weiter. Wer denkt sich denn schon etwas dabei, wenn z.B. Vattenfall und der Hamburger Verkehrsverbund bereits mit wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen experimentieren. Alternative Energieformen werden uns nicht aus der Abhängigkeit befreien, ganz im Gegenteil. Ich fürchte, wir haben bald endgültig fertig.

Carlos Schneider

GHTime Code(s): nc 
Be Sociable, Share!

Post to Twitter


Kommentare nicht erlaubt.

Der Besuch dieser Seite und aller Unterseiten ist allen Bürgern der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich verboten. Wir übernehmen keine Haftung für auf dieser Seite und allen Unterseiten veröffentlichten Beiträge und Kommentare. Sollten Sie diesen Bedingungen nicht zustimmen, verlassen Sie diese Seite umgehend.
AWSOM Powered