Hugo Chavez gestorben – Wie geht es mit Venezuela weiter

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Hugo Chavez galt lange als das Paradebeispiel eines erfolgreichen Sozialismus, der soziale Gerechtigkeit für alle schuf und im Gegensatz zu anderen sozialistischen Staaten nicht von einem Disaster ins andere rutschte. Ein Spruch in Venezuela beschreibt die tatsächliche Situation jedoch wie kein Anderer: “Der Kommandant bewirft uns mit Brot anstatt uns beizubringen wie man es backt.”

Wie alle sozialistischen Staaten brauchte auch Venezuela eine Heerschar von Menschen, die vom Staat abhängig sind, damit sie nicht zu viele unangenehme Fragen stellen und aufmüpfig werden, deswegen handeln sozialistische Staaten mit Abhängigkeiten und nicht mit Selbstständigkeiten.

Ebenfalls wie alle anderen sozialistischen Staaten funktionierte Chavez Sozialismus recht gut, solange er diesen durch die geschaffenen Werte anderer finanzieren konnte, nur genau das wurde in den vergangenen Jahren immer schwieriger. Eine von Chavez’ ersten Amtshandlungen nach der Machtergreifung war die Enteignung und Verstaatlichung profitabler Industrien, dabei vor allem von der Ölindustrie. Durch diese Enteignung und Verstaatlichung einhergehend mit steigender Nachfrage nach Öl war Venezuela in einer hervorragenden Ausgangslage, doch gehört zum profitablen Wirtschaften weit mehr als nur die profitablen Unternehmen anderer zu stehlen. So ging unter Chavez die Ölproduktion trotz der steigenden Nachfrage um 20% zurück, gerade weil zum profitablen Wirtschaften nunmal auch die Instandhaltung und Modernisierung bestehender Strukturen gehört. Das zeigt sich auch anhand der Stromversorgung, die mittlerweile fast täglich zusammenbricht. Insgesamt konnte Venezuela seine Wirtschaftsleistung in den 14 Jahren unter Chavez nur um 3% steigern und das trotz in die Höhe schiessender Ölpreise.

Chavez’ Fokus war die Ölindustrie, andere nennenswerte Industrien gibt es jedoch nicht, denn das Geld wurde dazu verprasst die Menschen mit dem sprichwörtlichen Brot zu bewerfen statt ihnen zu helfen selbst etwas aufzubauen. Wenn ein Staat Leistungen kostenlos verteilt, dann kann die private Wirtschaft nicht mithalten, weil sie nicht unter kostenlos produzieren kann. Ein Problem, das der afrikanische Ökonom James Shikwati schonmal ansprach in Bezug auf Spenden für Afrika.

Das Geld aus dem Ölgeschäft hatte Chavez dazu genutzt um nicht nur seine Bevölkerung in Abhängigkeit zu halten, sondern auch die Bevölkerung anderer sozialistischer Staaten wie etwa Kuba, das sein Öl von Chavez praktisch geschenkt bekam.

Chavez innenpolitischer Aufbau hingegen war ebenso wie in anderen sozialistischen Staaten geprägt von Unterdrückung Andersdenkender und von Vetternwirtschaft. Über die Korruption in Venezuela lässt sich bisweilen nur spekulieren, aber es wird davon ausgegangen, dass jeder Abgeordnete und Polizist käuflich und das Militär in den Drogenhandel verstrickt ist. Die Gewalt im Land wird sich auch nur schwerlich unter Kontrolle bringen lassen – alleine im vergangenen Jahr wurden in der Hauptstadt Caracas über 20,000 Menschen ermordet. Mit dem Geld aus dem Ölgeschäft ist Chavez nicht nur seinen sozialistischen Zielen nachgekommen, sondern hat sich auch eine schwer bewaffnete und hörige Miliz geschaffen. Wie diese im Falle einer politischen Übernahme durch freiheitliche Personen verhalten würde, steht in den Sternen.

Wirtschaftlich wird sich Venezuela aber alsbald auch um die Hungerkrise im Land kümmern müssen ebenso wie um die Inflationsrate von über 20%. Auch darf man sich fragen, wie die abhängigen Teile der Bevölkerung reagieren werden, wenn ihre sozialistischen Vergünstigungen notgedrungen wegfallen werden.

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2 Kommentare zu “Hugo Chavez gestorben – Wie geht es mit Venezuela weiter”

  1. Unregierbar sagt:

    Leider entsprechen die im Artikel genannten Kritikpunkte alle der Realität. Es wäre auch zu schön, wenn Hugo Chavez Version des Sozialismus mit dem Sozialismus vergleichbar wäre, der Deutschland Vollbeschäftigung und Wohlstand für alle gebracht hatte. Aber dann wäre er sicherlich schon deutlich früher gestorben. Beispielsweise kämpfte er nicht gegen das Zinseszinssystem und zahlte trotz Öl-Milliarden weiter für eine eigentlich nicht nötige Staatsverschuldung. Auch dies ist eine Umverteilung, allerdings von unten nach oben! Und auch ich lehne Verstaatlichungen und Umverteilung grundsätzlich ab. Wobei aber klar sein sollte, das Öl, Wasser, Wälder und andere Ressourcen nicht irgendwelchen Konzernen gehören sondern dem Volk.

    Als Deutscher überwiegt bei mir aber klar die Trauer über Chavez Tod. Denn bei allen innenpolitischen Problemen Venezuelas haben wir einen Verbündeten gegen die One-World-Diktatur verloren. Es ist zu befürchten, das sich seine Nachfolger nicht lange gegen die Opposition durchsetzen können. Und die ist nicht freiheitlich oder libertär sondern liberal-kapitalistisch und vorallem US-hörig. Dann wird mit Venezuela ein weiterer Staat zur Kolonie Amerikas. Auch für die anderen südamerikanischen Staaten dürfte es jetzt schwerer werden sich dem US-Imperialismus zu widersetzen.

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  2. Ralf sagt:

    Unregierbar sagte::

    Beispielsweise kämpfte er nicht gegen das Zinseszinssystem und zahlte trotz Öl-Milliarden weiter für eine eigentlich nicht nötige Staatsverschuldung.

    Der Kampf einer Nation gegen das Zinseszinssystem setzt den Austritt aus dem System des Interntionalen Waehrungsfonds IMF und der Weltbank voraus. Venezuela war vor und waehrend Chavez ueber Jahrzehnte hinweg eines der groessten Nutznieser des IMF Systems. Insofern hat Chavez ein schweres Erbe angetreten – und dieses weitergefuehrt. Was Chavez langfristig vorhatte, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, aber er hat keinerlei anstalten gemacht, sich vom internationalen finanzpolitischen Regelwerk loszusagen. Er hat auf der einen Seite nationalisiert, aber auf der anderen Seite weiter internationalisiert.

    Alle Kaempfe, die er gegen auslaendische Widersacher (vornehmlich die USA) fuehrte, waren bi- oder multilaterale Auseinandersetzungen im Rahmen der Weltgesetze (im Englischen als “International Law” verbraemt). Eine Absage von der Weltherrschaft UNO, WTO etc. hat er nie in Aussicht gestellt.

    Davon aber agesehen: welcher souveraene Staatsmann konnte es sich je leisten, sich von der UN und deren Sonderorganisationen loszusagen?

    Der letzte, der die Weltbibel (die Charta der UN) ueber die Schulter in den virtuellen Dreck geworfen hat, war Gaddafi. Kurze Zeit darauf musste er zusehen, wie sein Volk von bezahlten Terroristen dezimiert und gefuegig gemacht wurde, bevor er selbst werbewirksam aus einem Abwasserkanal heraus in die Fernsehbilder der Weltgeschichte entsorgt wurde.

    Chaves war ein Mann des Militaers, und er war klug genug, um zu wissen, welche Risiken und Konsequenzen ein zu grosses Aufbegehren mit sich bringen. Vielleicht war es sogar sein groesster Verdienst, dass er seinem Venezuela einen von oben genannten auslaendischen Terroristen geschuerten (Buerger-) Krieg vermieden hat. Stattdessen wurde er durch Vergiftung mit Plastikkrebs entsorgt. Soweit die offizielle Geschichte. Auch gut, liebe Brueder.

    Der Kreis, den ich hier schliessen will ist gross. So gross, dass ich sagen will: wir brauchen uns um einen Hugo Chaves, der in Frieden und in Anerkennung ruhen soll, keine Sorgen machen. Er hat das, was wir vor uns haben, hinter sich.

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