
Dieser Artikel ist Teil einer Serie unter dem Titel “Über die Maas, über Schelde und Rhein – Blitzkrieg und Blitzsieg in Frankreich Mai/Juni 1940″ von Edmund Eminger. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir weitere Teile dieser Serie veröffentlichen.
Adolf Hitlers Tagesbefehl zum 10.Mai 1940:
Soldaten der Westfront! Die Stunde des entscheidendsten Kampfes für die Zukunft der deutschen Nation ist gekommen. Seit 300 Jahren ist es das Ziel der englischen und französischen Machthaber, jede wirkliche Konsolidierung Europas zu verhindern. Vor allem aber Deutschland in Ohnmacht und Schwäche zu erhalten. Soldaten der Westfront! Damit ist die Stunde nun für euch gekommen! Der heute beginnende Kampf entscheidet das Schicksal der deutschen Nation für die nächsten tausend Jahre. Tut jetzt eure Pflicht!
Diese dramatischen Stunden beschrieb der hervorragende englische Militärhistoriker und Offizier, Alistair Horne, mit schon fast poetisch anmutenden Worten, welche aber zutreffender gar nicht sein könnten:
“Der Vorhang hob sich vor der Auseinandersetzung des Jahrhunderts, wozu der Weltkrieg, die Marne, Verdun, die Somme, Passchendaele und Amiens vielleicht nur die donnernde Ouvertüre gewesen waren. Auf der einen Seite Frankreich, ein zerrissenes und für den Krieg nicht begeistertes Land, geführt von einem Ministerpräsidenten, den Grippe und seine Mätresse geschwächt hatten und der seinen Rücktritt angeboten hatte, und von einem Oberbefehlshaber, dessen Sturz bereits beschlossen war; beschützt von einer Armee, deren Moral, um es schonend zu sagen, “geflickt” war, geleitet von einer veralteten Doktrin und geführt von mittelmäßigen Kommandeuren, und mit einer Luftwaffe, die in jeder Hinsicht unterlegen war; unterstützt weiter von einem einzigen Verbündeten, der bloß eine Handvoll Divisionen zu stellen imstande war. Auf der anderen Seite ein revolutionäres Deutschland, geführt von einem dämonischen Propheten mit unbedingter Selbstsicherheit, den Berufssoldaten stützten, von denen viele nervös und ihm gegenüber feindselig eingestellt waren und die die Siegesgewißheit ihres Führers nicht teilten; ausgerüstet mit einer Kriegsmaschinerie der Superlative, aber mit verhältnismäßig weniger Elitedivisionen als die kaiserliche Armee, die eine Generation früher nach Belgien und Frankreich eingerückt war; und diese Armee marschierte nach einem der brillantesten Kriegspläne aller Zeiten – aber einem Plan, der so riskant war, daß jeder ernste Rückschlag, wie etwa das Brechen der messerscharfen Klinge von Guderians Panzern, nicht anders als mit einer neuen, verhängnisvollen Niederlage für Deutschland enden konnte.”
Morgengrauen, 10. Mai 1940
Die 1.PzDiv General Kirchners überquerte um 430 mit General Guderian an der Spitze die luxemburgische Grenze bei Vianden. Allerdings waren schon Tage vorher eine größere Anzahl von deutschen “Touristen” auf Rädern und Motorräder in dem ahnungslosen Großherzogtum fleißig unterwegs. Sie bestanden aus Spezialisten der Abwehr und hatten den Auftrag, Telefonleitungen zu stören und zu unterbrechen, sowie die Luxemburger daran zu hindern, wichtige Verkehrsverbindungen zu sprengen. Die 7.PzDiv des achtundvierzigjährigen Generalmajors Erwin Rommel stieß weiter im Norden über die belgische Grenze, ihr Ziel war das 107 Km entfernte Dinant an der Maas. Noch weiter im Norden, an der holländischen Grenze vor Maastricht arbeiteten sich inzwischen die deutschen Sturmtruppen nahe an die holländischen Grenzposten heran. Die Holländer hörten im ersten Morgengrauen bereits das Dröhnen der deutschen Panzermotoren, aber die deutschen Grenzposten zogen noch immer ruhig und unbeirrt ihre Wachrunden. Unerträglich laut wurde es, als Geschwader um Geschwader von JU-52 Transportmaschinen, mit mehr als 4.000 Fallschirmjägern an Bord, die Grenze in Richtung West überflogen. Die deutschen Reichssender brachten inzwischen die ersten Sportnachrichten. Read the rest of this entry →
Neueste Kommentare