Michael Winkler: Laokratie
26. Mai 2010 in Geschichte, Gesellschaft
Im Altgriechischen gibt es zwei Worte für “Volk”: Laos und Demos. Wobei Demos noch eine andere Bedeutung hat: So wird beim Sud von Färberlösungen der Schaum auf dem Kessel genannt, der die Verunreinigungen enthält und abgeschöpft und weggeworfen wird. Dieser Abschaum und das Volk werden recht ähnlich geschrieben, es ändern sich nur die Betonungszeichen. Die Ähnlichkeit ist noch größer als zwischen “Volksvertreter” und “Volksverräter”. Vermutlich gab es im alten Griechenland Kollegen von mir, die ganz bewußt “Demokratie” als “Herrschaft des Abschaums” ausgesprochen haben.
Um solche “Betonnungsfehler” (bringen ein Schiff zum Kentern) auszuschließen, möchte ich die mißratene Form dieser Herrschaft als Demokratie bezeichnen und die gelungene Form als Laokratie. Und wenn Sie in völliger Unkenntnis des Altgriechischen unsere repräsentative Parteien-Demokratie als “Herrschaft des Abschaums” aussprechen, dann erkennen das oft nicht einmal Altphilologen.
Die Volksherrschaft taucht in der menschlichen Entwicklung mehrfach auf. Sie entsteht gleich nach dem Faustrecht, sobald die Primaten gelernt haben, sich zu organisieren. Schon Schimpansenhorden verfügen über eine intakte Basisdemokratie, wobei der muskelstarke Prügelchef gelegentlich von mehreren Hordenmitgliedern seines Amtes, seiner Staatsbürgerschaft und seines Lebens enthoben wird. Diese Regierungsform paßt wunderbar zu kleinen Gemeinschaften, in denen jeder die Stärken des Anderen kennt. Da gibt es einen Jagdhäuptling und einen Kriegshäuptling, eine Schamanin und eine Medizinfrau, die sich durch ihre Sachkunde und ihre Erfolge für ihr Amt qualifiziert haben. Read the rest of this entry →













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