Robin Classen: Die Auswandererrepublik
25. Januar 2010 in Deutschland, Gesellschaft, Multikultur
Berlin, Kanzleramt. Vor der Tür stehen 200 Milchbäuerinnen frierend in der Kälte. Einige Traktoren mit Strohballen und aus Pappmaschee gefertigte Kühe geben ein trauriges Bild von einem sterbenden Stand, dem Bauernstand, ab. Wieder einmal haben globalisierte Discounter die Milchpreise ins Bodenlose sinken lassen; diesmal bis unter den Rand des Existenzminimums. Tausende Höfe stehen vor der Schließung – den Bauern wird nahegelegt umzuschulen oder sich im Ausland umzusehen. In Frankreich z.B. sei die Versorgung der eigenen Bauern noch Patriotenpflicht, heißt es. Ein Hohn, wenn man weiß, wie schwierig es ist, den eigenen Hof in Deutschland aufzugeben und sich als Bauer im Ausland eine neue Existenz aufzubauen. Keine realistische Alternative also und deshalb warten Sie darauf, dass Kanzlerin Merkel das Amt verlässt, um sich die Sorgen und Nöte der Milchbauern anzuhören.
Ein paar Wochen vorher. Angela Merkel steht im Kanzleramt. Um sie herum dutzende Fernsehkameras und Radiomikrofone. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird viel gelacht und die Blitzlichter der Kameras erhellen den Raum. Neben Merkel: Eine indische Familie, in traditioneller Kleidung. Deutsch sprechen sie noch nicht gut, aber den deutschen Pass haben sie bereits erhalten. Aus diesem Grund sind sie auch bei Merkel, die medienwirksam die üblichen Phrasen von der fremdländischen Bereicherung, dem Gewinn für unsere Gesellschaft und den hochqualifizierten Arbeitskräften, die unsere Wirtschaft am Leben hielten herunterleiert. Der indische Familienvater nickt freudig. Ob er wohl versteht, was die deutsche Bundeskanzlerin da gerade sagt? Read the rest of this entry →

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