Offener Brief an Wagner
31. Juli 2011 in Archiv
F.J. Wagner,
Sie schrieben am 22.07.2011 in Ihrer Kolumne, Zitat:
Rudolf Heß,
eigentlich gehören Sie für mich auf den Müllplatz der Geschichte und in kein Grab auf einem Friedhof.Ein Grab ist eine Troststätte, ein Grab bekundet die Anwesenheit des Toten. Am Grab glauben wir, dass der Tote noch bei uns ist. Wir legen weiße Blumen nieder und zünden Grablichter an.
An Ihrem Grab, Rudolf Heß, schrien Neonazis „Heil Hitler“, sie erhoben ihre Arme zum Hitlergruß. Millionen vergaster Juden haben kein Grab. Aber Rudolf Heß hatte ein Grab. Es befand sich in einer oberfränkischen Idylle, eine liebliche Landschaft, hügelig, mit romantischen Tälern und Wäldern.
In dieser Landschaft war der Stellvertreter des größten Mörders der Welt begraben.
Dass seine Knochen nun ausgegraben, seine Gebeine verbrannt wurden und die Asche ins Meer geworfen wird, ist großartig.
Ich weiß nicht, ob die Angehörigen der sechs Millionen Juden, die die Nazis vergast haben, jetzt erleichtert sind.
Ich bin glücklich, dass dieses Schwein nicht mehr auf einem Friedhof liegt – Ruhe in Frieden. Das ist vorbei.
F. J. Wagner
Zitatende
Was sind Sie eigentlich für ein Mensch? Sind Sie überhaupt ein Mensch? Verweigern Sie ernsthaft einem Verstorbenen seine letzte Ruhestätte? Ihr Moralisieren, Ihre Hetze gegen einen Toten, bringt einen aus der Fassung.
Sehr richtig schreiben Sie, Herr Wagner, daß ein Grab eine Troststätte ist, z.B. für die Familie und Freunde. Die allgemeinen Menschenrechte garantieren jedem Erdenbürger, also auch Ihnen, Herr Wagner, Meinungs- und Glaubensfreiheit, Reisefreiheit, Unversehrtheit an Leib und Ansehen, und auch Sie, Herr Wagner, dürfen betrauern wen Sie wollen und wann Sie wollen. Es hat Sie also schlicht nicht zu interessieren, wenn andere, ob nun politisch korrekt oder nicht, Rudolf Heß betrauern.
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