Posts mit Schlüsselwort ‘Diktatur’

Wolfgang Sofsky: Diktatur der Angst

Mittwoch, September 22nd, 2010

strong>Der folgende Textauszug, der uns von einem Leser zugesandt wurde ist zwar schon ein wenig in die Jahre gekommen, hat aber nichts von seiner Aussagekraft verloren.

Wolfgang Sofsky

< Als Ende Februar 2005 der amerikanische Präsident für neun Stunden die deutsche Provinzhauptstadt Mainz besuchte, waren die Straßen in der gesamten Region leergefegt. Nirgendwo war ein Passant zu sehen, die meisten Geschäfte waren geschlossen, den Anwohnern wurde empfohlen, die Balkone nicht zu benutzen, um keinen Verdacht zu erregen. Auf den Parkplätzen standen Polizeiwagen und schwarze Limousinen. Tausende von Ordnungshütern und Sicherheitsbeamten hielten die Region besetzt. Sie patrouillierten auf den Brücken, schützten die Uferpromenade, bewachten auf Booten den leeren Fluß. Der Schiffsverkehr war rechtzeitig gestoppt worden. An einigen Straßenecken standen Wasserwerfer und Räumpanzer. Auf die Bahnhöfe verirrten sich nur wenige Reisende. Die Menschen blieben zu Hause. Sie gingen nicht zur Arbeit, nicht zum Arzt, sie kauften nichts ein, besuchten keine Bekannten. Der Verkehr auf den Autobahnen wurde großräumig umgeleitet. Der befürchtete Massenstau im Schneegestöber jedoch blieb aus. Viele Pendler hatten sich einen Tag Urlaub genommen. Das größte Automobilwerk der Region holte die ausgefallene Schicht an einem Wochenende nach. Der zentrale Großflughafen wurde für eine halbe Stunde gesperrt. Helikopter kontrollierten den Luftraum und registrierten jede Bewegung. Auch unter Tage war alles gesichert. Hunderte von Gullydeckeln hatte man vorsorglich verschweißt.

Von einer Stunde zur anderen legten die Vorkehrungen das öffentliche Leben lahm. Es war eine organisatorische Meisterleistung, binnen Minuten den Prozeß der Gesellschaft von Staats wegen abzustellen, ohne direkte Repressalien einzusetzen. Zwar verbreitete sich Unmut in der Bevölkerung, aber letztlich nahmen die Menschen die soziale Pause resigniert hin und warteten ab, bis alles vorüber war. Sicherheit und Schutz waren wichtiger als Jubel und Zustimmung. Der Staat hat seine Untertanen und seine Gäste vor Gewalt zu schützen. Zuerst aber hat er sich selbst und seine höchsten Repräsentanten vor Übergriffen zu bewahren. (mehr …)

Erhöhen Schläge auf den Hinterkopf wirklich das Denkvermögen?

Sonntag, Oktober 26th, 2008

Vergangenes Wochenende fand in Kappeln ein Infostand der NPD statt, bei der diese eifrig versuchte, Informationsmaterial an den Mann zu bringen. Die üblichen Verdächtigen demonstrierten freilich dagegen, denn in einer Diktatur haben andere Meinungen nunmal keinen Platz. Da die acht Mannen der NPD sich allerdings sehr uneinsichtig zeigten, kamen etwa 25 Antifas der Demonstration zu Hilfe um mit Knüppeln und einem Feuerlöscher auf den NPD-Stand und dessen Betreiber loszugehen (Polizeibericht). Zwei der NPDler wurden leicht verletzt. Wo die Argumente fehlen, muß halt die Gewalt herhalten. Was uns allerdings verwundert ist das Zahlenverhältnis, traut sich die BRD-Knüppelgarde doch normalerweise nur bei mindestens vierfacher Überlegenheit auf ihre Gegner loszugehen.

Um vor der eigenen Meute aber noch besser dazustehen, schreibt das faschistische Internetportal Indymedia gar nur von einer zweifachen und auch noch unbewaffneten Überlegenheit: “Unterbrochen wurde dieser Protest nur einige Sekunden durch eine ebenfalls ca. 15 Personen große Gruppe Antifaschisten, die die ca. 8 NPD-Nazis und ihren Stand frontal, aber unbewaffnet angriffen.”

Von Seiten der NPD erhielten wir bisher nur die Stellungnahme, daß man weitere Infostände abhalten werde. Eigentlich keine schlechte Idee, wenn man immer gegen die gleiche Wand laufen möchte. Wenn man sich nämlich die zahlreichen Übergriffe auf NPD-Stände in den vergangenen Wochen anschaut, muß man sich fragen, ob Schläge auf den Hinterkopf wirklich das Denkvermögen erhöhen. So versucht es die NPD immer mit der gleichen Methode und erwartet dabei jedes mal ein anderes Resultat. Stattdessen sollte man sich überlegen, ob es nicht hilfreich wäre, hinter der nächsten Ecke oder in der nächsten Kneipe ein wenig Unterstützung parat zu haben, die es eventuellen Angreifern mit gleicher Münze heimzahlen würde. Diesen Gedanken wollen wir aber ganz schnell verwerfen, schließlich wollen wir ja nicht zur Gewalt aufrufen. Zum Abschluß möchten wir aber noch einen Schreiber von Indymedia zitieren: “Nicht nur diskutieren… auch mal zuhaun!”

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Iren lehnen die EU-Verfassung ab – Wie geht es weiter?

Sonntag, Juni 15th, 2008

Nachdem wir uns gestern an dieser Stelle schon kurz bei den Iren für ihr Nein zur EU-Verfassung bedankt haben, ist es nunmehr an der Zeit, zu resümieren. Während bei den Bürgern der Länder, in denen man wohlwissentlich keine Abstimmung durchgeführt hat, die Freude siegt, daß die in Reformvertrag geänderte EU-Verfassung durch die Iren abgelehnt wurde, sucht man in der Politik derweil einen Weg um die EU-Verfassung über die mittlerweile zweite Ablehnung durch die europäischen Bürger dennoch durchzusetzen. Schon bei der letzten Abstimmung votierten vor allen Dingen die Franzosen und die Niederländer gegen die EU-Verfassung, was schlußum dazu führte, daß man es in diesen Ländern der Bundesrepublik gleich tat und schlichtweg die Verfassung im Parlament absegnete, während der Bürger salopp gesagt die Schnauze halten durfte. Diese Vorgehensweise nennt sich heutzutage Demokratie. Früher nannte man es Diktatur, wenn der oder die Herrscher einfach gegen den Willen des Volkes und über das Volk hinweg Entscheidungen trafen, aber heutzutage hat man dafür viel euphemistischere Ausdrücke. (mehr …)

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